Verhetzung: An alle Hassposter

Kommentar14. Oktober 2014, 19:04
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Schreibe nur, was du dich den Betreffenden auch jederzeit ins Gesicht zu sagen trauen würdest

Niemanden, wirklich niemanden lassen die schier unglaublichen Zustände im Nahen Osten kalt. Wenn Jihadisten Zivilisten im Irak und in Syrien abschlachten, dazu hierzulande Jugendliche für ihren Heiligen Krieg anwerben, dann erhitzt das fast alle Gemüter.

Doch nicht nur Islamisten neigen zu gefährlichen Schwarz-Weiß-Interpretationen für diese komplexe Welt. Nicht selten werden auch von ganz normalen Bürgern in öffentlichen Internet-Foren die einfachsten Rezepte für schwierige Probleme gepostet. Geht ja so einfach und so schnell: den aufgestauten Ärger über Muslime, Juden, Schwarze, Homosexuelle, Frauen in die Tasten hauen - und ab geht die Post! Schon ist der hässliche, aber nur vermeintlich anonyme Befund im World Wide Web.

Denn im internationalen Juristensprech nennt sich dieses Phänomen "Hate Speech" - und gilt als Delikt. Diejenigen, die dabei auch noch bewusst zu Gewaltakten anstacheln, will der österreichische Justizminister jetzt mit härteren Strafen bedrohen. All das hat nichts mit Zensur zu tun und ist schon gar nicht durch die Europäische Menschenrechtskonvention als freie Meinungsäußerung gedeckt. In unserer Republik fällt das unter den Tatbestand der Verhetzung.

Allen, die sich keinesfalls mit Hasspostern gemeinmachen wollen, sei daher eine alte journalistische Faustregel ans Herz gelegt: Schreibe nur, was du dich den Betreffenden auch jederzeit ins Gesicht zu sagen trauen würdest. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 15.10.2014)

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