Burg-Neustart aus einem europäischen Geist

14. Oktober 2014, 19:13
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Karin Bergmann wird bis 2019 Direktorin des Burgtheaters bleiben. Sie will die europäische Dimension des Hauses stärken, bekennt sich zur jungen Generation und holt neue Regisseure wie Herbert Fritsch nach Wien

Wien - Karin Bergmann bleibt weitere drei Jahre Burgtheaterdirektorin. Die deutsche Theaterfachfrau wurde nach Matthias Hartmanns Entlassung im März für zwei Jahre zur interimistischen Leiterin bestellt. Nun wird sie bis 2019 die Geschicke des Hauses lenken. Das verkündete SP-Kulturminister Josef Ostermayer am Dienstag bei der diesbezüglich anberaumten, recht stimmigen Pressekonferenz mit Humor: "Ich begrüße Sie zur Veranstaltung ,Spekulation und Gewissheit'." Wie immer kursierten bis zuletzt diverse Namen aus dem deutschsprachigen Theaterbetrieb.

Diese in Summe nun fünf Jahre seien die "richtige" Zeitspanne, so Bergmann, um das renommierte Theater aus der ökonomischen Sackgasse zu manövrieren. Aber auch um das durch das angeschlagene Image zerrüttete Haus zu befrieden und die künstlerische Tätigkeit wieder in den Vordergrund zu rücken. Das ist Bergmann mit einem beachtlichen Saisonstart heuer bereits gelungen.

Die Wahl Karin Bergmanns wurde vom Aufsichtsrat einstimmig angenommen, so Ostermayer. Er habe sich in seiner Entscheidungsfindung vor allem auf die Informationen aus der sechsköpfigen Findungskommission gestützt - zu dieser gehörten neben dem verstorbenen Schauspieler Gert Voss der ehemalige Co-Direktor und Dramaturg Hermann Beil, die Grazer Opernintendantin und designierte künstlerische Leiterin der Bregenzer Festspiele Elisabeth Sobotka, Filmregisseur Götz Spielmann sowie die Burg-Aufsichtsräte Susanne Moser (Komische Oper Berlin) und Christian Strasser (Museumsquartier).

Darüber hinaus habe den Politiker auch Bergmanns "bisherige Performance" überzeugt. "Sie hat in kurzer Zeit Ruhe in das Haus gebracht." Der Zuspruch vonseiten des Ensembles war ebenfalls mitausschlaggebend für Ostermayers Wahl. Kräftiger Applaus war kurz vor der Pressekonferenz aus dem Großen Saal zu vernehmen, wo Bergmanns Verbleib dem Ensemble mitgeteilt wurde.

Acht Frauen, 21 Männer

Insgesamt hatten sich 29 Interessenten um den Direktorsposten beworben, davon acht Frauen und 21 Männer, vier aus Österreich, 25 aus dem internationalen Raum. Auch Karin Bergmann hat sich schließlich beworben, nachdem ihr der eingeschlagene Weg der Konsolidierung gangbar erschien, nachdem sie gespürt hat, dass ihre "Integrationsfähigkeit", ihre "Leidenschaft" und ihre "Sachkenntnis" Früchte tragen.

Wesentlicher Punkt: Bei ihrer Antrittsrede wurde deutlich, dass es eine Absichtserklärung vonseiten der Politik gibt, langfristig für eine Gehaltsvalorisierung, wie es sie für andere Staatsbetriebe auch gibt, Sorge zu tragen. Ostermayer wollte keine fixe Zusage zu den seit Jahren immer wieder geforderten Inflationsanpassungen geben, er räumte jedoch ein, selbst davon überzeugt zu sein, dass es bei den Bundestheatern dauerhaft nicht ohne diese gehen werde. Das Budget für 2015 sei beschlossen, wie es für 2016 aussieht, werde sich im Kontext der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zeigen, so Ostermayer.

Karin Bergmann leitet aus der Geschichte des Burgtheaters, eines Hauses, das in der K.-u.-k.-Zeit viele Völker vertreten hat, eine europäische Dimension ab, die sie stärken möchte. Sie lädt dazu "Mitstreiter aus Europa" ein: u. a. Theatermacher aus Ungarn, Slowenien, Tschechien, der Slowakei. Sie nannte beispielhaft den ungarischen Regisseur Árpád Schilling und als Autorin wie auch Kuratorin die Kärntner Schriftstellerin und Bachmannpreisträgerin Maja Haderlap.

Neben arrivierten und am Burgtheater bestens bekannten Regisseuren wie Michael Thalheimer, Alvis Hermanis, Andreas Kriegenburg oder Martin Kus ej will Bergmann auch neue Regisseure holen, darunter die Volksbühnenlegende und den späten Regiesenkrechtstarter Herbert Fritsch. Auch will sie die junge Generation vertreten sehen, was in der laufenden Spielzeit - die sie als "Sparspielzeit" bezeichnete - mit Wolfram Lotz, Ewald Palmetshofer oder Dusan David Parízek schon begonnen wurde einzulösen.

Eine Mitverantwortung Bergmanns für jenes System, das nun zum finanziellen Desaster führte (sie arbeitete seit 1986 mit Unterbrechungen am Haus), räumte der Minister ein weiteres Mal aus: "Frau Bergmann hat mir versichert, dass nichts aus der Vergangenheit ein Problem darstellen kann." (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 15.10.2014)

  • Der Vertrag von Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann wurde bis 2019 verlängert. Sie hat nun insgesamt fünf Jahre Zeit, das wirtschaftlich angeschlagene Haus am Ring wieder auf Kurs zu bringen.
    foto: matthias cremer

    Der Vertrag von Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann wurde bis 2019 verlängert. Sie hat nun insgesamt fünf Jahre Zeit, das wirtschaftlich angeschlagene Haus am Ring wieder auf Kurs zu bringen.

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