Nach Mord in Linz: U-Haft für mutmaßlichen Mittäter beantragt

15. Oktober 2014, 12:24
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Die Stadt will zwei Problemlokale schließen

Linz - Nach dem Mord an einem 45-Jährigen vor einem Linzer Lokal in der Nacht auf Montag fehlte am Mittwoch nach wie vor jede Spur von den beiden Verdächtigen. Für einen mutmaßlichen Mittäter, der bereits am Montag geschnappt worden war, wurde am Mittwoch die U-Haft beantragt Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag einen Bericht des "Kurier", wonach ein vierter Mann an der Tat beteiligt gewesen sein soll. Seine Identität war den Ermittlern zunächst unbekannt.

Laut der Zeitung wurde der Linzer mit einer Pistole des Kalibers 7,65 Millimeter erschossen, die direkt an seinem Kopf angesetzt worden war. Behördensprecherin Michaela Breier konnte das vorerst nicht bestätigen, ebenso wenig, dass der "falsche" Mann umgebracht worden sein soll: Das spätere Opfer habe sich mit einem Bekannten in dem Lokal aufgehalten, als dieser plötzlich eine SMS mit der Aufforderung erhalten habe, zu einer Aussprache ins Freie zu kommen, berichtete der "Kurier". Der 45-Jährige begleitete ihn nach draußen, wo sie auf die Gruppe der mutmaßlichen Täter trafen. Es kam zu einem heftigen Streit, bei dem es um das Verhältnis des Bekannten zu einer Freundin eines der Verdächtigen gegangen sein soll. Schließlich fiel der tödliche Schuss.

Am Dienstag wurde die Fahndung intensiviert und international ausgedehnt. Die Möglichkeit sei groß, dass sich der mutmaßliche Täter, der 23-jährige Tschetschene Achmed Daschajev, und sein Fluchthelfer ins Ausland abgesetzt haben, erklärte die Polizei. Nach der Tat waren Daschajev und der 27-jährige Elvedin Rekic in einem Auto geflüchtet. Ein weiterer Verdächtiger, ein 28-Jähriger Linzer, rannte davon, er wurde Montagmittag gefasst.

Zwei Lokale sollen zusperren

Nach den Vorkommnissen in Linz will die Stadt zwei Lokale zusperren, die der Drogenszene zugerechnet werden. Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) kündigte Dienstagnachmittag nach einem Gipfelgespräch eine rechtliche Prüfung an, räumte aber ein, dass man nach der Gewerbeordnung "nicht allzu viel" in der Hand habe.

"Die Altstadt als solche funktioniert sehr gut", betonte Luger nach dem Treffen, an dem Vertreter von Gastronomie, Polizei, Gewerbebehörde und Bezirksverwaltungsamt teilnahmen. Man habe aber veritable Probleme mit zwei schwarzen Schafen, die gelöst werden müssten.

Bürgermeister trifft Gastwirte

Zusätzlich zu einer möglichen Sperre kündigte der Bürgermeister ein Treffen zwischen Gastwirten und Polizei als "vertrauensbildende Maßnahme" sowie eine Fortsetzung der verstärkten Kontrollen durch die Exekutive untertags an. Für Ende Oktober beziehungsweise Anfang November ist eine weitere Gesprächsrunde geplant, an der auch alle anderen Stadtregierungsmitglieder teilnehmen sollen.

Bezüglich des Images der Altstadt sagte Luger, dass zwei Brennpunkte die Entwicklung des Viertels nicht gefährden dürften. Der Stadtteil habe sich jedenfalls stark verändert: In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Bewohner um etwa 300 auf rund 1.000 gestiegen. Man verfüge heute über eine Reihe zusätzlicher Geschäfte, Lokale und Unternehmen. "Am Tag ist in der Altstadt mehr los als früher." Probleme würden dadurch auch mehr ins Auge stechen.

FPÖ-Kampagne: "Furchtlos durch die Nacht"

Dienstagvormittag hatte der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) die Sicherheitskampagne "Furchtlos durch die Nacht" präsentiert. Auf einem Flyer werden volle Härte gegen Bandenkriminalität, ein rigoroses Vorgehen der Polizei gegen die Drogenszene und ein Ausbau der Videoüberwachung gefordert.

Das Viertel entwickle sich in die komplett verkehrte Richtung, sagte FPÖ-Jugendgemeinderat Michael Raml. ÖVP-Stadtparteichef und Vizebürgermeister Bernhard Baier sieht vor allem bei den Gewerbeberechtigungen, Betriebsanlagengenehmigungen und der Sperrstundenregelung Handlungsmöglichkeiten. ÖVP-Klubobfrau Elisabeth Manhal forderte einen schärferen Kurs gegenüber Drogenhandel in Lokalen und deren Umfeld.

Gewalttaten auch untertags

Die Linzer Altstadt beschäftigt die Behörden seit Jahren, neben nächtlichen Gewalttaten hat die Polizei in dem Stadtteil auch tagsüber immer wieder zu tun - mit Drogenkriminalität, Verunreinigungen und Pöbeleien. Der jüngste Übergriff ereignete sich am Montag vergangener Woche, ebenfalls am helllichten Tag: Ein 20-jähriger Mühlviertler fügte einem 26-jährigen Kellner mit einem Glas eine schwere Halsverletzung zu. (APA, 14.10.2014)

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