Schlag auf Schlag: Weite Hosen sind wieder da

Kolumne15. Oktober 2014, 16:19
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Es ist so weit: Langsam heißt es, sich neben der Skinny wieder an die Schlaghose zu gewöhnen, meint gerade nicht nur Tom Ford

In den letzten Jahren wurde ihre Rückkehr immer wieder herbeigeschrieben. Jetzt aber müssen alle, denen die schmalen Schläuche um die Beine zu einer zweiten Haut geworden sind, wirklich stark sein. Denn der Schlag macht dem Schlauch ordentlich Druck: Die Modenschauen waren zuletzt voll von Schlaghosen.

Mit Angela Merkel hatte das wahrscheinlich nichts zu tun. Auch wenn die schon vor mehr als einem Jahr mit einem besonders progressiven Modell vorneweg schritt. Für Begeisterung sorgte das nicht. Falsche Länge, falscher Schnitt, falsche Proportionen: Karl Lagerfeld wusste natürlich wieder alles besser. Irgendwie hat er ja auch recht. Der Schlag, die Glocke, die Trompete ist nicht einfach zu tragen.

foto: ap/meyer

Wahrscheinlich hält sich die Skinny deshalb seit Mitte der Nullerjahre so hartnäckig. Und zwar auch im Polit-Business. Die Grünen-Politikerin Eva Glawischnig zum Beispiel trug im letzten Jahr eine während ihrer Spritztour mit Hanno Settele. Eine dramatisch ausgestellte Glockenhose hätte ja auch viel zu sehr abgelenkt von dessen Cowboy-Boots. Nicht zu vergessen: Skinnys sind so herrlich praktisch. Beispiel Bio-Bauernhof. Nur die eng anliegende Hose kann da so grün wie glaubwürdig in die Gummistiefel gestopft werden.

Vielleicht aber verstellt die langjährige Gewöhnung an die schmalen Schläuche den Blick darauf, dass Schlagjeans durchaus mit dem ganz normalen Leben vereinbar sind. Designerin Victoria Beckham zum Beispiel. Die zeigt schon seit Jahren, dass Schlaghosen mit einer ganze Horde Kinder um die Beine funktionieren. Meist jongliert sie als Ausgleich zu den ausgestellten Hosenbeinen ziemlich fotogen ein Kleinkind auf dem Arm. Erst saßen da die Söhne, heute klammert da die Tochter.

Irgendwie scheint sie kein Einzelfall zu sein. Zumindest Hollywood-Mütter zelebrieren gerne die Beinfreiheit. Vielleicht, weil sie sich von ihr ein lockeres Image erhoffen. Oder sich an lässige Mutter-Kind-Bilder von Jane Birkin aus den Siebzigern erinnern.

Und wir? Haben ja noch ein bisschen Zeit, uns langsam mit einem Bootcut-Modell heranzutasten. Vielleicht sind wir dann im kommenden Frühjahr bereit für die Trompeten-Form. Tom Ford oder Nicolas Ghesquière sähen das zum Beispiel gern.

foto: reuters/plunkett
Ein Model mit einem Entwurf aus der Tom-Ford-Sommerkollektion 2015 während der London Fashion Week im September.

Dass das auch ohne kindlichen Zierrat auf dem Arm geht, beweist Charlotte Gainsbourg. Und zwar schon seit Jahren. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 14.10.2014)

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foto: hersteller
  • Charlotte Gainsbourg am 1. Oktober in Paris anlässlich der Louis Vuitton Fashion Show für Frühling/Sommer 2015.
    foto: louis vuitton/rindoff/le segretain

    Charlotte Gainsbourg am 1. Oktober in Paris anlässlich der Louis Vuitton Fashion Show für Frühling/Sommer 2015.

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