Hitler-Geburtshaus: Innenressort sucht Mieter im Kreis der Ministerien

14. Oktober 2014, 23:26
106 Postings

Besitzerin lehnte Nutzung durch VHS und Volkshilfe ab

Wien/Braunau - Die jahrelange Suche nach einem Nutzer des Hitler-Geburtshauses in Braunau geht in die nächste Runde. Ein Konzept für den Einzug der Volkshochschule und Volkshilfe hat die Hausbesitzerin nach zähem Ringen nun doch abgelehnt, das zuständige Innenressort kämpft weiter gegen den Leerstand.

Dieser Tage wird ein Schreiben an alle Ministerien herausgehen, ob es bei ihnen vielleicht Bedarf für die Räumlichkeiten gibt. "Bis zum Jahresende", so Sektionschef Hermann Feiner, soll eine Antwort vorliegen. Er ist guter Dinge - auch wenn ein Veto der Besitzerin alles wieder kippen könnte.

Seit 1972 ist das Innenressort für des Haus zuständig. 4800 Euro Miete fallen pro Monat für die rund 800 Quadratmeter an. Die Kosten teilen sich das Ministerium und die Stadt nach einem Schlüssel 60 zu 40. Die Nutzung wird durch den sehr eng gefassten Mietvertrag erschwert. Laut Feiner sind nur Verwaltungseinrichtungen oder eine "sozial-edukative Nutzung" erlaubt. Explizit ausgeschlossen ist ein museales Konzept - daher komme auch etwa der Vorschlag des Innsbrucker Politologen Andreas Maislinger eines "Hauses der Verantwortung" nicht infrage. Kaufangebote durch die Republik wurden ebenfalls seitens der Besitzerin bislang alle abgelehnt.

Findet sich ein Ministerium, und gibt es dann die Freigabe durch die Besitzerin, könnte die Zuständigkeit durch das betreffende neue Ressort übernommen werden. Man werde aber den gesamten Prozess "begleiten" und seine Verantwortung weiter wahrnehmen, betonte Feiner.

Gutes Geschäft

Die heute so ungeliebte Immobilie war nach dem "Anschluss" 1938 von der Familie der heutigen Besitzerin an die NSDAP verkauft worden - was den Eigentümern eine durchaus stattliche Summe einbrachte. Den Akten der NSDAP aus jener Zeit liegt der Vermerk eines SS-Brigadeführers bei, dass der Ankauf des Gebäudes an den Geldforderungen der Eigentümer gescheitert sei, man erwäge "die Übernahme des Geburtszimmers" durch "energische Maßnahmen". Hitlers Privatsekretär Martin Bormann kaufte aber schließlich im Auftrag der NSDAP das Haus um den vierfachen Verkehrswert und zahlte 150.000 Reichsmark.

1954 erfolgte dann der Rückkauf der Liegenschaft durch die Besitzerfamilie um 150.000 Schilling - einen Bruchteil des einstigen Verkaufspreises. (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, STANDARD 15.10.2014)

Share if you care.