Türkische Kampfjets griffen Stellungen der PKK in der Südtürkei an

14. Oktober 2014, 14:49
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Erste bedeutende Militäroperation seit Beginn des Friedensprozesses - Obama berät mit NATO-Verbündeten - Kurden melden Erfolge in Kobanê

Istanbul - Türkische Kampfflugzeuge haben einem Medienbericht zufolge Stellungen von Kurden-Rebellen im Südosten des Landes bombardiert. Es sei der erste größere Einsatz dieser Art gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) seit Beginn eines Friedensprozesses vor zwei Jahren gewesen, berichtete die Zeitung "Hürriyet" am Dienstag auf ihrer Internetseite.

Die Angriffe von F-16-Kampfjets am Montagabend hätten großen Schaden verursacht. Sie seien geflogen worden, nachdem laut "Hürriyet" PKK-Rebellen drei Tage lang einen Militärposten in der Provinz Hakkari nahe der Grenze zum Irak angegriffen hätten. Die Angriffe richteten sich gegen PKK-Stellungen im Bezirk Daglica.

Das türkische Militär äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht. Angaben zu Opfern lagen vorerst nicht vor. Die PKK-Seite sprach von einer Verletzung des Waffenstillstands und wies gleichzeitig Vorwürfe zurück, selber Angriffe in der Provinz Hakkari gestartet zu haben.

Verschlechterte Beziehungen

Die Beziehungen zwischen der PKK und der türkischen Regierung hatten sich in den vergangenen Wochen massiv verschlechtert. Grund ist die Belagerung der von Kurden bewohnten Stadt Kobanê im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei durch die radikale Miliz "Islamischer Staat" (IS). Die Kurden werfen der Türkei unter anderem vor, trotz eines drohenden Massakers nicht einzugreifen, weil die Kämpfer in Kobanê Verbindungen zur PKK haben sollen.

Die Türkei lehnt einen militärischen Alleingang ab. Sie fordert eine international abgestimmte Strategie zur Bekämpfung der IS-Miliz, die große Teile Syriens und des benachbarten Irak unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Ende der Friedensgespräche droht

PKK-Führer Abdullah Öcalan droht jedoch mit dem Ende der Friedensgespräche, falls es bis Mittwoch keine Fortschritte im Streit über ein militärisches Eingreifen der Türkei in Kobanê gibt. Die Regierung in Ankara lehnt einen Alleingang jedoch ab und fordert stattdessen eine international abgestimmte Strategie zur Bekämpfung der IS.

Die Kurden werfen der Türkei dagegen vor, trotz eines drohenden Massakers nicht einzugreifen, weil die Kämpfer in Kobanê Verbindungen zur PKK haben sollen. Bei Kurden-Protesten in der Türkei wurden vergangene Woche mindestens 35 Menschen getötet. In den vergangenen drei Jahren hat die Türkei etwa 1,2 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufgenommen. Unter ihnen sind 200.000 Kurden, die zuletzt vor dem Ansturm der IS aus Kobanê flohen.

Kurden melden Erfolge gegen IS-Miliz

Kurdische Kämpfer aus Kobanê vermeldeten derweil Erfolge gegen die IS-Milizen. Idris Nassan, Vize-Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobanê, sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa, kurdische Kämpfer hätten dank der Luftschläge der internationalen Koalition einen strategisch wichtigen Hügel sieben Kilometer von der Stadt entfernt von den Jihadisten zurückerobern können.

"Es gibt heftige Gefechte, die IS stößt nicht vor und weicht nicht zurück", sagte dagegen der stellvertretende Chef des Verteidigungsrates von Kobanê, Öcalan Iso. "Gestern haben Selbstmordattentäter der IS drei Autobomben im Osten von Kobanê gezündet." Zehn Kilometer von der Grenze entfernt wurden im türkischen Ort Suruc vier YPG-Kämpferinnen beigesetzt. Hunderte Menschen nahmen an der Zeremonie auf dem Friedhof teil, die von den Rufen "Mörder (Präsident Tayyip) Erdogan" und "Lang lebe YPG" begleitet wurde.

Streit über Stützpunkt

Zwischen den USA und der türkischen Regierung gibt es derzeit Streit über die Nutzung türkischer Stützpunkte durch die US-geführte internationale Koalition gegen die Terrormiliz IS. Die Regierung in Ankara lehnt einen Alleingang mit Bodentruppen in Nordsyrien ab. Die Türkei pocht auf ein gemeinsames Vorgehen, das sich auch gegen das Regime des syrischen Machthabers Bashar al-Assad richtet.

Die USA ringen noch immer um die Erlaubnis der Türkei, den Stützpunkt Incirlik im Kampf gegen die IS nutzen zu dürfen. Dies würde den Einsatz von Kampfhubschraubern gegen die Extremisten-Miliz und damit eine bessere Verteidigung der Menschen in Kobanê ermöglichen. In zähen Kämpfen hat die IS in den vergangenen vier Wochen die Kontrolle über den Großteil der Stadt erobert. Mit der PKK verbündete kurdische Kämpfer der Gruppe YPG fordern, dass die Türkei zumindest den Nachschub von Waffen über ihre Grenze zulässt. Nach Angaben der Kurden hängt eine Munitionslieferung aus dem Irak für Kobanê fest, weil die Türkei keinen Nachschubkorridor öffnet.

US-Präsident Barack Obama will im Laufe des Tages auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews in der Nähe von Washington mit ranghohen Militärs der 21 Allianzländer über den Kampf gegen die IS beraten - zum ersten Mal seit dem Start der Angriffe gegen die Jihadistengruppe. Obama bringt unter anderem Generalstabschef Martin Dempsey zu dem Treffen mit. Trotz der Luftangriffe konnten die Extremisten auch im Irak bisher nicht erfolgreich bekämpft werden. Die Bündnispartner wollen eine langfristige Strategie gegen die IS im Irak und in Syrien finden. (APA, Reuters, 14.10.2014)

  • Kampfflieger auf einer Militärparade im Juli dieses Jahres.
    foto: ap photo/petros karadjias

    Kampfflieger auf einer Militärparade im Juli dieses Jahres.

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