Australien als bester Spionage-Freund der USA

13. Oktober 2014, 17:50
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Snowden: Agenten aus Down Under haben NSA geholfen, in Netzwerke einzubrechen

Die Vereinigten Staaten haben in Australien offenbar den besten Kumpel, den sich ein Spion wünschen kann. Wie die amerikanische Webseite Intercept berichtet, enthielten die vom früheren Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden veröffentlichten Papiere Informationen der amerikanischen Spionageorganisation National Security Agency (NSA) zu Programmen, die der höchsten Geheimhaltungsstufe unterliegen. Eines der Geheimdokumente enthalte Einzelheiten zu einem verdeckten Programm von NSA, das dazu diene, über den "Zugang zu Computernetzwerken kryptografische Information und Material zu beschaffen".

Neues Gesetz

Laut einem Dokument aus dem Jahr 2006 arbeitete der australische Militärgeheimdienst Defence Signals Directorate (DSD) – heute Australian Signals Directorate (ASD) – gemeinsam mit der NSA an einem solchen Programm. Die Dokumente zu solchen NSA-Aktivitäten dürfen nur mit Einwilligung des Direktors der NSA freigegeben werden. Selbst die Partnerländer im sogenannten "Five-Eyes"-Bündnis ("Fünf Augen"), Australien, Kanada, Großbritannien und Neuseeland können nur unter bestimmten Bedingungen Zugang zur Information erhalten.

Die neuesten Meldungen über die intime Zusammenarbeit zwischen amerikanischen und aus tralischen Geheimdiensten kommen für Journalisten zu einem kritischen Zeitpunkt. Vor wenigen Tagen hat das australische Parlament neue Gesetze verabschiedet, nach denen die Veröffentlichung von Informationen über bestimmte Geheimdienstaktivitäten künftig mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden soll.

Die Androhung von Gefängnis für Medienschaffende ist eine Forderung der Vertreter der australischen Geheimdienste, allen voran der mächtigen Australian Secu rity Intelligence Organisation (ASIO), die sich mit Spionage und Gewaltabwendung im Inland befasst. Die Sicherheitsbehörden und die australische Regierung fühlten sich in den letzten Monaten mehrfach durch Enthüllungen Edward Snowdens bloßgestellt. Der australische Generalstaatsanwalt George Brandis, der das Gesetz vor das Parlament gebracht hatte, bezeichnete ihn als einen "amerikanischen Verräter".

Snowdens Veröffentlichung von geheimen Depeschen hatten zu Jahresbeginn zu einem diplomatischen Bruch zwischen Indonesien und Australien beigetragen. Es war bekannt geworden, dass australische Nachrichtendienste die Elite der indonesischen Politik ausgespäht hatten. Unter den illegal Abgehörten waren auch Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono und seine Ehefrau. Ein anderes NSA-Dokument zeigt, dass das ASD fast 1,8 Millionen Datenschlüssel beschafft hatte, wie sie der indonesische Telefondienstleister Telkomsel zum Schutz privater Kommunikation seiner Kunden benutzt. Es sei den australischen Spionen gelungen, fast alle zu entschlüsseln.

Direkter Zugang

Jüngste Veröffentlichungen von klassifiziertem Material lassen den Schluss zu, dass das ASD im Jahr 2008 bereit war, Washington intimste Informationen über aus tralische Staatsbürger auszuhändigen. Dokumente vom August dieses Jahres legen die Vermutung nahe, australische Spionageorganisationen hätten Informationen in eine Datenbank des NSA eingegeben, über die Spione Milliarden Emails, Telefonanrufe und andere Informationen von Bürgern aufrufen können. (Urs Wälterlin aus Canberra, DER STANDARD, 14.10.2014)

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