OMV-Chef dürfte ÖIAG-General mitreißen

13. Oktober 2014, 20:36
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Versuche, OMV-Chef Gerhard Roiss im Sattel zu halten, blieben erfolglos. Auch Wirtschaftsminister Mitterlehner hält seinen Landsmann nicht

Wien - Um die Ablöse von Gerhard Roiss als OMV-Chef wurde in den letzten Tagen zwar noch hart gerungen, sie dürfte aber heute, Dienstag, vom Aufsichtsrat des Energiekonzerns beschlossen werden. Auch heftige Interventionen des Oberösterreichers bei seinem Landsmann und Studienkollegen, ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner, hätten daran nichts geändert, erfuhr der Standard aus gut informierten Kreisen. Die Roiss-Nachfolge soll im Frühsommer (nach der Hauptversammlung) sein Stellvertreter und Finanzvorstand David Davies antreten.

Roiss wird vorgeworfen, die OMV mit seinem Führungsstil gespalten zu haben. Nicht nur der Vorstand sei "zerrüttet", auch die Kluft zwischen Management und Arbeitnehmern sei unüberbrückbar, ist im Unternehmen zu hören. Zudem sollen in der OMV nicht näher bezeichnete Risiken stecken, die erst noch genauer untersucht werden müssten.

Neben Roiss stehen freilich weitere Abgänge an. Gelöst, und zwar bereits zu Jahresende, wird der Vertrag mit Gas-Vorstand Hans-Peter Floren. Er wird, wie berichtet, von Roiss mitgerissen, was im Konzern für Irritation und Verärgerung sorgt, zumal Floren ein halbes Jahr vor Roiss abserviert werden soll.

Auch zeichnet sich ab, dass ein Manager seinen Job verlieren dürfte, der als Drahtzieher von Roiss' Rauswurf gilt: ÖIAG-Chef und OMV-Aufsichtsratschef Rudolf Kemler. Ihm wird die schlechte Vorbereitung der Rochade und des Baustellenmanagements in der OMV zur Last gelegt. Und: dass er sich für den Posten an der Spitze des ATX-Schwergewichts selbst ins Spiel gebracht habe, was Kemler stets vehement von sich gewiesen hat. In der SPÖ hatte Kemler ohnehin nie Fans, seit dem Debakel beim Syndikatsvertrag mit América Móvil in der Telekom Austria ist der Ofen aber aus. Will man Kemler im Herbst 2015 loswerden, muss der ÖIAG-Aufsichtsrat dessen Vorstandsvertrag noch jetzt im Oktober lösen. Ohne Maßnahme (die ÖIAG hat ein Kündigungsrecht) läuft der Vertrag automatisch für drei Jahre weiter, also bis Oktober 2017. Politische Rückendeckung beim ressortzuständigen Finanzminister hat sich ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Siegfried Wolf offensichtlich geholt: Es sei "nicht sehr professionell gewesen, über das größte österreichische Unternehmen in der Öffentlichkeit zu diskutieren", sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling am Montag laut Austria Presse Agentur.

Gelingt die späte Feuerlöschaktion, gewinnt auch die vor dem Umbau stehende (sich selbst erneuernde) ÖIAG-Führung Zeit. Denn noch ist keineswegs erkennbar, dass sich die Koalitionsparteien bei Funktion und künftiger Ausrichtung der Verstaatlichtenholding auch nur ansatzweise angenähert hätten. Ehe das nicht feststehe, brauche man über einen Transfer von Verbund und Asfinag in die ÖIAG gar nicht nachzudenken, mahnt ein ÖVP-Berater. Als Zieldatum für die ÖIAG neu gilt März 2015, bis Weihnachten will die Arbeitsgruppe, die auf roter Seite von Verkehrsminister Alois Stöger geführt werden soll, die Eckpunkte stehen haben. Schließlich muss das ÖIAG-Gesetz geändert werden, insbesondere der Bestellmodus des Aufsichtsrats. Bleibt abzuwarten, ob Wolf als ÖIAG-Präsident dann noch an Bord sein wird.

Match der Alphatiere

Anlegerschützer Wilhelm Rasinger sieht den OMV-Clinch als Match der Alphatiere: "Es geht um Gesichtswahrung. Das ist fatal für Unternehmen." Anstatt den Vorstand scheibchenweise zu demontieren, sei es Pflicht des Aufsichtsratschefs, für ein funktionierendes Gremium zu sorgen. Frust in der Öffentlichkeit ist aus seiner Sicht programmiert: Dafür sorgten allein die hohen Abfertigungen und Abfindungen.

Für die Staatsholding ÖIAG halte er im Aufsichtsrat sechs statt 15 Mitglieder völlig ausreichend, sagte Rasinger im Klub der Wirtschaftspublizisten. Davon zwei sollte die Politik bestellen dürfen, die übrigen der Aufsichtsrat (as, stro, ung, vk, DER STANDARD, 14.10.2014)

  • Vizekanzler Mitterlehner (links) konnte Roiss nicht halten.
    foto: apa / barbara gindl

    Vizekanzler Mitterlehner (links) konnte Roiss nicht halten.

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