Austrian Standards: Binnen-I noch lange keine Norm

13. Oktober 2014, 19:59
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Austrian Standards veranstaltet Dialog-Forum über die neuen Regeln für gendergerechte Bezeichnungen in mehr oder weniger offiziellen Texten

Wien - Man kann Frauen "mitmeinen", indem man das beim Schreiben der männlichen Form implizit annimmt, man kann Worte mit Binnen-I versehen oder auch höflichkeitshalber die männliche und weibliche Form ausschreiben. Und diese Vielfalt dürfte bis auf Weiteres den Verfassern von Texten anheimgestellt bleiben. Denn eine verbindliche Regelung ist nicht absehbar - auch wenn sie am Mittwoch vom Normungsinstitut Austrian Standards in einem Dialogforum neuerlich zur Diskussion gestellt wird.

800 Unterschriften stützten Vorschlag

Das zuständige Komitee 045 "Büroorganisation und schriftliche Kommunikation" hatte im Februar dieses Jahres in einem Entwurf für die Neuausgabe der ÖNORM A 1080 "Richtlinien für die Textgestaltung" erstmals Empfehlungen für die gendergerechte Gestaltung von Texten gegeben - und dabei der Lesbarkeit Vorrang gegenüber neueren Formen mit Binnen-I gegeben. 800 Sprachgelehrte hatten diesen Entwurf mit einer Unterschriftenliste unterstützt - aber ein Gutteil der weiteren 1400 Stellungnahmen wollten progressivere Schreibweisen zur Norm erheben.

Darüber wollte das Komitee 045 eigentlich gar nicht diskutieren, weshalb es flugs aufgelöst wurde.

Bei Austrian Standards wird betont, dass man an konsensfähigen Empfehlungen für den Sprachgebraucht interessiert sei - wenn es aber unter den betroffenen Experten keinen Konsens darüber gibt, dann gibt es auch keine neue Normung. Und selbst wenn eine neue Norm das Binnen-I zum Standard erheben sollte, bliebe es dennoch bloß Empfehlung.

Denn: Nur zwei Prozent der insgesamt rund 24.000 Önormen sind als Referenz in irgendwelchen Gesetzen oder Verordnungstexten erwähnt und damit rechtsverbindlich. Rechtsverbindliche Schreibregeln gab es auch bisher nicht. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 14.10.2014)

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