"Wolfenstein": Die Propaganda des virtuellen Dritten Reichs

Ansichtssache19. Oktober 2014, 12:00
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Einblicke in die Magazine und Plakate einer Zeit, die es nie gab

Die Erschaffung einer virtuellen Welt ist eine unglaublich komplexe Aufgabe. Kann man im Film allein durch den kleinen Ausschnitt der Kamera den Glauben erwecken, hinter der perfekt gestalteten Kulisse stecke eine facettenreiches Universum, wenngleich hinter dem Pappkarton nicht mehr als heiße Luft steckt, ist dies in der Dreidimensionalität des Games nicht möglich.

In Videospielen, die man nach eigenem Willen erkunden kann, muss man auch zeigen, was hinter dem Vorhang steckt. Stehen auch hier bombastische Inszenierungen von Schlüsselmomenten im Mittelpunkt und geben auch hier wie im Film oder Theater Protagonisten den Ton an, sind es ausgerechnet die kleinen Details am Rande, die die Fiktion glaubhaft machen.

Die fliegende Stadt Columbia in "BioShock: Infinite" mag von der Ferne noch so imposant aussehen, fände man in all ihren Ecken nicht Botschaften ihrer Bewohner und Hinweise auf Leben, wäre sie eben nicht mehr als ein Luftschloss. Durch diese Liebe zum Detail wurde auch die diesjährige Nazi-Dystopie "Wolfenstein: The New Order" zum Leben erweckt.

In dem Werk des schwedischen Studios Machine Games erwacht man aus dem Koma in eine Fiktion, die mit ihren Maschinenmonstern, überzeichneten Schurken und dem in Kanälen zusammengerotteten Untergrund sprichwörtlich atmet. Dazu tragen zu einem nicht unwesentlichen Anteil die erfundenen Zeichen der Zeit bei. Das Kreativteam hat vor dem Hintergrund der faschistischen Machtbauten die Schauplätze mit Postern, Magazinen, Tonbandaufzeichnungen und vielen weiteren real anmutenden Erinnerungsstücken des Alltags ausgekleidet.

Eine Sammlung dieser Propaganda-Materialien, die es nie wirklich gab, hat Herausgeber Bethesda Softworks zur Verfügung gestellt und lässt so auch ohne Controller in "Wolfensteins" schaurige neue Zeitrechnung eintauchen. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 17.10.2014)

Nachlese

"Wolfenstein: The New Order" im Test: Maschinenmenschen lachen und weinen nicht

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