Ein Urteil zum Nachdenken

Kommentar13. Oktober 2014, 14:28
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Ernst Strasser verhielt sich wie der Prototyp eines korrupten Politikers

Sechs Monate Haft, erst dann darf Ernst Strasser eine elektronische Fußfessel für seine restlichen zweieinhalb Jahre beantragen: Der Spruch, den der Oberste Gerichthof zu der zweimal aufgerollten Causa gefällt hat, klingt zwar recht milde, doch ein halbes Jahr eingeschlossen in vier Wänden ist hart genug, um Ernst Strasser vielleicht einmal zum Nachdenken zu bringen.

Denn auch wenn sich der vormalige ÖVP-Politiker bis heute für ein Unschuldslamm hält, hat er auch aus legistischer Sicht gegenüber zwei Lockvögeln wie der Prototyp eines korrupten Politikers gehandelt: Als EU-Parlamentarier hat er angesichts eines Geldangebots Bereitschaft gezeigt, sich für Angelegenheiten starkzumachen, die ihm eigentlich völlig gleichgültig sind.

foto: cremer
Aus generalpräventiven Überlegungen ist die Haftstrafe von hoher Symbolkraft.

"Die meisten Parlamentarier sind so faul wie ich"

Obwohl die Öffentlichkeit vor allem über Strassers schlechtes Englisch lachte, haben die versteckten Videoaufzeichnungen vor allem eine erschreckende Haltung eines gewichtigen Amtsträgers zutage gefördert. "Die meisten Parlamentarier sind so faul wie ich", erklärte Strasser da etwa, "all ihre Arbeit machen die Assistenten." Genau diese Assistenten waren es aber auch, denen Strasser einst in den Ohren lag, wie es um gewisse EU-Richtlinien stünde.

Aus generalpräventiven Überlegungen ist es daher von hoher Symbolkraft, dass Strasser ein paar Monate sitzt – damit es sich ähnlich gestrickte Politiker dreimal überlegen, ob sie sich auf solche schmutzige Deals einlassen. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 13.10. 2014)

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