Gutachter: Alpine schon Jahre vor Konkurs pleite

13. Oktober 2014, 16:51
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Gutachten: Bilanzen ab 2009 fraglich - "Window-Dressing" bei Jahresabschlüssen

Wien - Laut einem BDO-Gutachten zur Insolvenz der Alpine war der Baukonzern schon mehr als zweieinhalb Jahre vor dem Konkurs pleite. Demnach war die Alpine Bau im Oktober 2010 "materiell insolvent", teilte der Masseverwalter mit. Die Wirtschaftsprüfer-Testate für 2010 und 2011 hätten versagt werden müssen bzw. für 2009 nur eingeschränkt vergeben werden dürfen.

Laut Masseverwalter der Alpine Holding, Karl Engelhart, liegt das BDO-Gutachten seit vergangenem Freitag vor. Tatsächlich hatten die Alpine Bau und die Alpine Holding im Juni 2013 Insolvenzanträge gestellt. In der Öffentlichkeit wurde erstmals im Herbst 2012 über Zahlungsschwierigkeiten beim Baukonzern berichtet. Die Pleite war eine der größten der Zweiten Republik, die Gläubiger schauen großteils durch die Finger: Die Konkursquote werde vermutlich bei rund fünf Prozent liegen, sagte der Masseverwalter der Alpine Bau, Stephan Riel.

In dem Verfahren geht es um eine Klage von sieben Banken gegen die Republik Österreich. Die Republik hat für Bankkredite an die Alpine 2009 Haftungen übernommen, die sie jedoch wegen der Alpine-Pleite nicht auszahlen will. Die Hilfen sollten aber nur "wirtschaftlich gesunden Unternehmen" über die Krise helfen. Die Finanzprokuratur als Vertreterin der Republik argumentiert nun, die Alpine sei damals schon nicht gesund gewesen. Die klagenden Banken Bawag P.S.K., Erste Group, ÖVAG, Raiffeisen Bank International, RLB OÖ, UniCredit Bank Austria und die spanische Bankia fordern über 70 Mio. Euro von der Republik.

"Nach heutigem Wissensstand gab es seit 2008 zu hoch angesetzte Aktiva in Form von nicht vorgenommenen Wertberichtigungen für Forderungen bei Bauvorhaben", erklärte Engelhart. Alpine habe seit 2008 Window-Dressing betrieben, Zahlungen seien über den Stichtag hinausgeschoben worden, um zum Stichtag eine niedrigere Nettoverschuldung auszuweisen. Auch wurden etwa Forderungen vor dem Bilanzstichtag an eine spanische Tochter der Alpine-Muttergesellschaft FCC verkauft und sofort nach dem Bilanzstichtag wieder zurückgekauft. Derartige Bilanzverschönerungsmaßnahmen seien keine Ausnahmen gewesen, sondern "das war System", betonte Engelhart. (red; APA, DER STANDARD, 14.10.2014)

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