Wie Österreich den Ball laufen ließ

Infografik13. Oktober 2014, 13:58
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Erneut grüßte das Murmeltier und ließ auf eine durchwachsene Performance in der Fremde eine überzeugende Leistung im Wiener Happel-Stadion folgen.

Die Zahl der Pässe im Zeitverlauf (pro fünf Minuten).

Die Passstruktur der Österreicher im Spiel gegen Montenegro veranschaulicht eine verblüffende Verteilungsgerechtigkeit und die vor allem in der ersten Hälfte mit großer Präzision praktizierte Dominanz mittels vielbeiniger Ballrotation bzw. variabler Gestaltung der Offensivmuster.

Das Passnetzwerk spiegelt die Qualität der Spieleröffnung durch Innenverteidiger Martin Hinteregger wider, bei dem gleich zwei spielbestimmende Rautenstrukturen mit ausgeprägter Reziprozität ihren Ausgang nehmen: einerseits die musketierartig verschworene Links-Fraktion mit Christian Fuchs, David Alaba und Marko Arnautovic, andererseits eine zum rechten Flügel verlaufende, ebenfalls rautenförmige Verbindung mit Alaba, Julian Baumgartlinger und Martin Harnik. Diesbezüglich lässt sich von einer vertikal-diagonalen Spielanlage sprechen.

Im Vollzug ergab das eine phasenweise wie am Schnürchen ablaufende Synchronizität der Pass- und Laufwege. Abgesehen von Martin "Nadelstich" Harniks gefährlichen Vorstößen in den Rücken der gegnerischen Verteidigung beeindruckte Mittelstürmer Rubin Okotie, der sich mit seiner Beweglichkeit und seinem Spielverständnis problemlos ins Ensemble einfügte. Und Arnautovic, dessen größte Tat die Vorbereitung des 1:0 war, glänzte durch die Fähigkeit zur Integration seiner Käfigkickerqualitäten in den größeren Zusammenhang des kollektiven Spielflusses.

Der aufwändigen spielerischen Selbstbehauptung war schließlich auch der glücklicherweise folgenlose kollektive Einbruch geschuldet, der aus dem Zeitdiagramm ersichtlich wird. So mutierte der Spielrausch am Ende noch zur Zitterpartie mit hoffentlich lehrreichem Schrecksekundentraining. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, 14.10.2014)

Die Analytiker

FASresearch war bei den WM-Endrunden 2006, 2010 und 2014 sowie bei der EM 2008 und der EM 2012 im Einsatz und analysiert auch Österreichs Länderspiele exklusiv für den Standard. Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair, Wolfgang Streibl und Agnes Chorherr.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Umsetzung für derStandard.at: Markus Hametner

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