Österreicherin bietet Aids-Waisen in Thailand ein neues Zuhause

16. Oktober 2014, 05:30
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Barbara Meisl ist ausgewandert, um HIV-infizierten und staatenlosen Waisenkindern zu helfen

"Es ist schwierig abzuschätzen, wie viele Kinder es gibt, die keine Hilfe bekommen. Viele werden wohl krank und sterben oder sie geraten in die Fänge von Menschenhändlern", sagt die Österreicherin Barbara Meisl. Die 31-Jährige ist in den Norden Thailands ausgewandert, um Waisen, deren Eltern an Aids gestorben sind und mit HIV-infizierten Kindern zu helfen. Vor allem staatenlose Kinder sind oft schutzlos und landen in der Zwangsprostitution.

Alles begann im Jahr 2006, als sie drei Monate alleine mit dem Rucksack durch Thailand reiste. Dort lernte sie die schwierige Situation der Kinder kennen. Meisl kann von vielen dieser Schicksalen erzählen: Etwa von einem zehnjährigen Mädchen, das die kranke Mutter bis zu ihrem Tod pflegte. Ein Krankenhausaufenthalt war zu teuer. Danach war sie mit ihrem dreijährigen Bruder alleine.

Meisl entschied sich dazu ihre Zelte in Österreich abzubrechen und in das Dorf San Sai Pu Yii auszuwandern. Es liegt etwa zehn Kilometer außerhalb von Mae Sai, der nördlichsten Stadt Thailands, in der Provinz Chiang Rai. Gemeinsam mit der Schweizerin Graziella Ramponi gründete sie das Waisenhaus, das den Namen "Baan Doi – das Kinderhaus am schönen Berg" bekam. 2009 kauften sie mit Privatkapital ein Grundstück und baute die ersten Unterkünfte. Im Moment haben fünf Buben und acht Mädchen zwischen sechs und siebzehn Jahren dort ein neues Zuhause gefunden.

Mehr als 440.000 Menschen mit HIV infiziert

Thailand ist von der HIV/Aids-Pandemie der vergangenen drei Jahrzehnte besonders stark betroffen. Laut aktueller Zahlen von UNAIDS leben in ganz Thailand 440.000 Menschen mit HIV, davon mehr als 8.000 Kinder bis 14 Jahre. 18.000 Menschen sterben jedes Jahr an dieser Krankheit. Dabei handelt es sich jedoch nur um die offiziellen Zahlen der getesteten Menschen, wie die Kindernothilfe Österreich informiert. Die Dunkelziffer liegt wohl weit höher, da jene, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, gar nicht registriert werden.

Besonders den rund eine Million Angehörigen der Bergvölker bleibt der Zugang zur Gesundheitsversorgung oft verwehrt. Rund die Hälfte von ihnen hat keine Staatsbürgerschaft. Das liegt daran, dass sie meist keine Dokumente besitzen, die beweisen, dass sie oder ihre Eltern in Thailand geboren worden sind. Das bedeutet, dass sie nicht wählen können, keinen Führerschein machen können, kein Land besitzen dürfen oder keine Bildung erhalten. Auch Kinder, die in Burmesischen Flüchtlingslager in Thailand geboren werden, erhalten weder die Burmesische, noch die Thailändische Staatsbürgerschaft.

Das Projekt Baan Doi nimmt sich speziell dieser Kinder an, die mit HIV leben, keine Angehörigen mehr haben und staatenlos sind. "Die Stigmatisierung von Kindern, deren Eltern an AIDS gestorben sind und von Kindern die mit HIV leben ist sehr hoch. Die Menschen haben einfach eine Angst, die sehr, sehr tief sitzt", sagt Meisl.

Tante Tu und ein fester Tagesablauf

Ein fester Tagesablauf und konstante medizinische Versorgung geben diesen Kindern wieder Sicherheit. "Zumindest erfahren die Kinder bei uns Zusammenhalt und haben Menschen um sich, die sie so lieben wie sie sind, ohne Berührungsängste", sagt Meisl. Der Tag beginnt um halb sechs, um halb sieben gibt es Frühstück. Um punkt sieben Uhr werden Medikamente eingenommen, dann geht es in die Schule.

Um 16 Uhr kehren sie nach Baan Doi zurück. "Da finden sie unsere Köchin Tante Tu in der Küche vor und fragen meistens gleich, was es zum Abendessen gibt", sagt Meisl. Medizin wir noch einmal um sieben Uhr am Abend eingenommen. Elf Mitarbeiter halten Baan Doi am Laufen, sieben arbeiten Vollzeit. Neben dem Waisenhaus umfasst ihre Arbeit ein Familienförderprogramm, Aufklärung für Jugendliche - Ziel ist es HIV und ungewollten Schwangerschaften vorzubeugen - und eine englischsprachige Schule.

Keine Unterstützung aus Thailand

Vor allem die medizinische Versorgung der kranken Kinder verursacht hohe Kosten. "In Thailand gibt es ein paar Privatleute die uns finanziell unterstützen. Von Seiten der thailändischen Regierung können wir keine Förderungen erwarten", sagt Meisl. Unterstützung aus dem Ausland kommt unter anderem von der Kindernothilfe Österreich, der Eine Welt Gruppe Thalgau und dem Entwicklungshilfe Klub Wien. Auch durch die Unterstützung von Privatpersonen und Baan Doi-Vereinen in Österreich, Deutschland und Schweiz ist ein Fortführen der Arbeit möglich.

In den vergangenen sieben Jahren war Barbara Meisl nur vier Mal in Österreich. Auch ihre Tochter wurde bereits in Thailand geboren und spricht wie sie fließend Thai. Im Moment kann sich die 31-Jährige nicht vorstellen zurück zu kehren: "Es gibt so viel zu tun, ich bin so beschäftigt. Vielleicht in zehn Jahren, vorausgesetzt, ich kann das Projekt mit gutem Gewissen in thailändische Hände oder vielleicht an eines der Kinder übergeben." (Julia Schilly, derStandard.at, 16.10.2014)

Weitere Details zum Projekt unter www.baandoi.org

Spendeninformation

Kindernothilfe Österreich
Stichwort: Baan Doi
Erste Bank
IBAN AT142011131002803031
BIC GIBAATWW

  • Barbara Meisl mit einigen der Kinder in Baan Doi, dem Kinderhaus am "schönen Berg".
    foto: kindernothilfe

    Barbara Meisl mit einigen der Kinder in Baan Doi, dem Kinderhaus am "schönen Berg".

  • Das Team besteht im Moment aus elf Menschen, sieben davon arbeiten Vollzeit.
    foto: kindernothilfe

    Das Team besteht im Moment aus elf Menschen, sieben davon arbeiten Vollzeit.

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