Connys Lebenstraum vom Karottenbaum

14. Oktober 2014, 15:22
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Zwei Oberösterreicher haben ihr erstes Kinderbuch geschrieben. Ein Aufruf, eigene Träume zu leben. Das Mentaltraining ist nicht unbedingt kindertauglich.

Linz – Für alle von 3 bis 99 Jahre soll das Erstlingswerk der beiden Oberösterreicher Jonathan Mittermair und Martin Hahn sein. Warum die beiden (Noch)-Nicht-Väter ein Kinderbuch verfasst haben, sieht Hahn ganz pragmatisch: "Weil es viel weniger zu schreiben gibt."

Und so bleibt in dem Buch "Der Karottenbaum Conny Pony's Abenteuer" viel Platz für Bilder. Nicht nur für jene mit viel Liebe zum Detail gezeichneten des amerikanischen Illustrators Marcelo T. Lavallen, sondern auch für jene im Kopf. Vor allem um zweitere geht es den beiden Autoren. Die Geschichte von der Suche nach dem Unmöglichen "will eine Botschaft vermitteln", erklärt Mittermair: "Lebe deine Träume." So zieht Conny Pony mit seinem Freund Kater Carlo los, um den größten Wunsch wahr werden zu lassen: Einen Karottenbaum, an dem so viele saftige Karotten hängen, dass das Pony und sein Familie jeden Tag so viel davon essen können, wie sie wollen.

Methode Visualisierung

Diesen Weg zu einem "glücklichen Leben" beschreiten Mittermair und Hahn mit Hilfe der Methode der Visualisierung, die "je früher sie einem nahegebracht wird, umso besser" sei. Eine Anleitung zu dieser Form des Mentaltrainings gebe das Buch. Zuerst macht sich Conny ein Bild im Kopf von ihrem Lebenstraum und anschließend bringt das Pony ihn zum Verfestigen auf Papier. Dazu rufen die Autoren auch am Ende ihres Buches auf. Auf der letzten Seite ist freier Platz für "meinen allergrößten Traum".

"Für Erwachsene ein super Buch", meint Marina Gottwald. Visualisierung werde etwa in der Konflikttherapie eingesetzt. Als Beispiel nennt die Gesundheitspsychologin an der Wagner-Jauregg-Landesnervenklinik in Linz eine Scheidung. Indem das Unmögliche vorstellbar werde, könne das Undenkbare auf einmal denkbar werden. Dieses Mentaltraining ermögliche, sich über die eigenen Bedürfnisse ein Bild zu machen.

Allerdings hält sie wenig von der Methode für Kinder, wenn es wie in dem Buch darum geht, Lebensträume zu verwirklichen: "Bis zum Ende der Volksschulzeit leben Kinder im Hier und Jetzt, nach dem Lustprinzip. Zeit können sie noch nicht visualisieren." Es sei wissenschaftlich belegt, dass Dreijährige immer sofort das angebotene Stück Schokolade nehmen, auch wenn man ihnen sagt, dass sie in einer Woche sogar eine ganze Tafel bekommen, wenn sie jetzt verzichten. Sprich: "Kinder können noch keinen Entwurf für ihr künftiges Leben haben", sagt Gottwald.

Leistungsgedanke verzichtbar

Und noch etwas sei ihr an dem Buch aufgefallen: Laut Klappentext soll es, durch die darin enthaltene Anleitung zum Mentaltraining, "der Schlüssel zu einem glücklichen und erfolgreichen Leben sein". Die Betonung von Leistung findet die sie allerdings verzichtbar. Visualisierung diene etwa im Sport zur Steigerung der Leistung. Man kenne die Bilder von Skifahrern, die vor dem Start vor dem inneren Auge die Strecke noch einmal genau durchgehen, um die optimale Linie zu finden.

Doch derartige Ziele brauche ein Kinderbuch nicht zu verfolgen. "Kinder wollen Anerkennung und Wertschätzung unabhängig von Leistung." Trotzdem findet die Psychologin, dass "Der Karottenbaum" ein Buch mit einer "entzückenden Geschichte" ist, das sie Kindern ohne jene Hintergedanken vorlesen würde, Erwachsene sollten sich diese aber sehr wohl machen.

Jonathan Mittermair, Martin Hahn
"Der Karottenbaum, Conny Pony's Abenteuer"
18,90 Euro/40 Seiten, Micha Verlag

  • "Kinder können noch keinen Entwurf für ihr künftiges Leben haben", sagt Gesundheitspsychologin Marina Gottwald.
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    "Kinder können noch keinen Entwurf für ihr künftiges Leben haben", sagt Gesundheitspsychologin Marina Gottwald.

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