Das Gfrett mit dem letzten Schritt

13. Oktober 2014, 09:28
319 Postings

Bereits beim Radetzkymarsch fand Österreich den Rhythmus aufs Allerschönste, die Abschlussschwäche hätte sich gegen Montenegro dann aber doch noch beinahe gerächt

Robert Almer: Lange ohne Arbeit, trug dieses Schicksal jedoch mit Fassung und Würde. Dem einzigen Ball, den er in Halbzeit eins hätte berühren können, wich er schlitternd aus. In Minute 72 die späte Feuertaufe und eine sauber gepflückte Flanke. Hernach die totale Verdichtung: zwei überlebenswichtige Rettungseinsätze. Weder geschupft noch geballert kann Österreichs Nummer eins, die aus dieser Partie gestärkt hervorgeht, von Vucinic überwunden werden.

Christian Fuchs: Ihn stach der Hafer. Sehr unternehmend stieß er immer wieder mit Gusto in den sich ihm in Fülle darbietenden Freiraum hinein. Meter machend und Gegner überrundend servierte er gleich in der Anfangsphase Arnautovic eine schöne Gelegenheit auf dem Silbertablett (6.). Gemeinsam mit seinem Partner ein Kraftfeld im ÖFB-Verbund, das die linke Flanke regelmäßig zu elektrisieren vermochte. Zur Abwechslung auch defensiv ohne jede Fahrigkeit; Ein Hinterkopfball nach langem Einwurf, der Montenegro eine Halbchance verschaffte (34.), qualifiziert sich hierfür nicht.

Martin Hinteregger: Der Salzburger, über dessen Fitness zwischenzeitlich ein Fragezeichen geschwebt hatte, verkörperte den Ausgangspunkt des Aufbaus. Zuständig für den ersten Pass von ganz hinten, dessen Adressat bevorzugt auf den Namen Alaba hörte. Konzentriert, zweikampfstark. Nach vorne einmal auffällig, als er, in Rücklage trippelnd, nach einem Corner den Ball über des Gastes Tor schaufelte.

Aleksandar Dragovic: Sah sich mit Vucinic dem potentesten Montenegriner gegenüber, was sich auch recht zügig zumindest andeutete (und später manifest wurde). Schob dem ehemaligen Römer aber lange Zeit souverän einen Riegel vor. Diszipliniert bis konservativ, bis zum Ende jedweden Schnörkel verabscheuend. Solides Rad der über weite Strecken arbeitsteilig sehr präzise ineinandergreifenden ÖFB-Defensivabteilung.

Florian Klein: Im Vergleich zu den vorangegangenen Partien auffallend vorsichtiger in der Ausgestaltung seiner Rolle. Inwieweit das einem Plan geschuldet war, der die Aufgabenstellung des rechten Glieds der Viererkette adaptiert hatte, muss dahingestellt werden. Es lag jedoch nahe, in Klein ein kommunizierendes Gefäß zu vermuten, dass angesichts des marschierenden Fuchs den Wasserstand der Hintermannschaft konstant zu halten hatte. War zudem zu mindestens einer lakonisch aus dem Fußgelenk geschüttelten Preziose in Form eines Kurzpasskunststücks ohne weiteres in der Lage.

David Alaba: Kippte zu Anfang bei Ballbesitz mittig zwischen die Innenverteidiger, um dortselbst aus tiefster Tiefe den Schalter umzulegen. In grandioser Manier gelang dies gleich in Minute vier mit einem diagonalen Traum Richtung Harnik. Verlagerte sich im Fortgang der Partie dann tendenziell weiter nach vorne, war aber grundsätzlich überall. Kann das meiste und versucht beinahe ebenso viel. Beeindruckende Passgenauigkeit. Suchte zwar mit am häufigsten einen Abschluss, bekam die Effektivität jedoch ebenso wenig zu fassen wie die Kollegen.

Julian Baumgartlinger: Seine Zweikampfführung ließ von allem Anfang an keine Zweideutigkeiten aufkommen. Allzweckabfangjäger, der den Kameraden der letzten Reihe viel Ungemach schon im Vorfeld vom Hals schaffte. Seine Relevanz wurde deutlich, als er dazu in der Schlussphase physisbedingt nicht mehr so effektiv in der Lage war und in der Folge Irritationen im Viererkettengeflecht nicht mehr zu übersehen waren. Wichtige Balleroberungen. Paradigmatisch etwa jenes entschlossene Einschreiten, mit dem er gegenpressend die letzte Großgelegenheit vor der Pause einleitete.

Marko Arnautovic: Verschleppt punktuell zwar nach wie vor den Vorwärtsfluss mehr als nötig, machte aber vor dem Führungstor alles richtig: Durchsetzungskraft (endlich!) gleich gegen zwei, gepaart mit dem Instinkt zum zeitgerechten Loslassen. Großzügige, traumhaft tempierte Flanke auf Harnik fünf Minuten nach der Pause. Aktiv, traf jedoch manchmal falsche Entscheidungen. Ein Druckausgleich in Goalform, der auch diesmal nicht gelang, könnte diesbezüglich vermutlich vieles auflösen. Nach hartem Fall sorgte Hüftschmerz für das Aus nach einer Stunde.

Zlatko Junuzovic: Freigeistig nach allen Richtungen hin unterwegs, Relaisstation zwischen Mittelfeld und Okotie. Wie üblich unter Starkstrom und mit unbedingtem Willen zum Kreiseln, verlor er sich zunehmend ein bisschen selbst. Bekam gleich zweimal eine obere montenegrinische Extremität ins Antlitz verabreicht, allerdings ebenso oft außerhalb des unparteiischen Gesichtsfeldes. Ein Drehschuss aus kürzerer Distanz (41.) war einer der erinnerungswürdigsten seiner finalisierungsorientierten Momente. Ausgelaugt hinaus in Minute 76.

Martin Harnik: Fand zunächst die Bindung nicht so recht. Hing leicht in der Luft, obwohl oft seiner Neigung zur Mitte nachgebend und dort im Fall des Falles Okoties freigewordene Stellung einnehmend. Zwei gute Gelegenheiten bereits vor der Pause: Erst machte ein schwerer Winkel, dann die mangelnde Verarbeitung eines Baumgartlinger-Zuspiels den Strich durch die Rechnung. Das 2:0 war hier doch heftig in der Luft gelegen. Noch näher kam er diesem bei einem Kopfball an die Latte kurz nach Wiederbeginn. Hier war weder Fehl noch Tadel, nur Unglück! Ließ nie locker und durfte so auch noch die letzten österreichischen Möglichkeiten vorfinden (89./90.).

Rubin Okotie: Ein Ersatz als Haupttreffer. Der erste Ballgewinn der Partie nach drei Sekunden deutete bereits an, wohin die Reise gehen könnte. Leichtfüßiges Selbstvertrauen ging von ihm aus. Gemäß dem Motto, das jener am meisten erreicht, der auch anders kann, er ließ sich fallen, wich an die Seiten aus. Und auch in der Luft behauptete er sich auf erhebende Art und Weise. Wurde nach einer Traumkombination ein Kopfball noch präzise in die Hände des Keepers platziert (15.), holte er - gedankenschneller - nicht viel später gegen seinen Schatten den ausschlaggebenden Sekundenbruchteil an Vorsprung heraus. Als Erster gelangte er an Arnautovics scharfe Hereingabe - und es war 1:0 (24.).

Lukas Hinterseer (ab Minute 62): Kam für den angeschlagenen Arnautovic und sorgte auf dem Fuße für die große Merkwürdigkeit des Abends. Was ging vor, als er, nur noch den Tormann vor sich, in eine Art akutes Sekundenphlegma verfiel? Offenbar eine Gehirnerschütterung, die er kurz nach seiner Einwechslung erlitt. Entschlusslos trottete er jedenfalls parallel zum Gehäuse vor sich hin, eventuell vom sich nähernden Okotie zusätzlich verunsichert, bis der Winkel ein unmöglicher geworden war (68.). Musste in seiner relativ kurzen Spielzeit gleich drei Rollen besetzen: erst den Linksaußen gebend, tauschte er vorübergehend mit Harnik Platz, ehe er final den zentralen Mann in der Spitze darstellte. Brachte nach einem eigentlich unkonzentriert zu Ende gespielten, aussichtsreichen Konter noch einen Torschuss an.

Stefan Ilsanker (ab Minute 77.): War nach seiner Hineinwerfung in der Schlussphase, was auf seinem Leiberl vermerkt stand, nämlich ein Sechser. Im Zusammenhang mit der Auswechslung Junuzovics löste er damit eine Rochade mäßiger Komplexität in der österreichischen Formation aus: Alaba rückte auf die Zehnerstelle nach vorne. Der Kompaktheit der Defensive tat dies nicht unbedingt einen Gefallen, denn der Neue schwankte etwas zwischen Überdrehtheit und Desorientierung.

Valentino Lazaro (ab Minute 83.): Zu viel mehr als einer Wanderung von der linken auf die rechte Seite (Harnik machte den Gegenverkehr) blieb ihm keine Zeit. (Michael Robausch, derStandard.at, 13.10.2014)

  • Artikelbild
    foto: apa/epa/hochmuth
  • Artikelbild
    foto: apa/jäger
  • Artikelbild
    foto: apa/jäger
  • Die Phasen des Harnik.
    foto: reuters/bader

    Die Phasen des Harnik.

Share if you care.