Goldtor von Okotie sichert ÖFB-Team den Sieg

12. Oktober 2014, 20:14
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Österreich dominiert die Partie gegen Montenegro, trifft aber nur ein Mal ins Tor. Rubin Okotie erzielt den entscheidenden Treffer

Wien – Es ist gewiss noch kein Wunderteam, aber Österreich stellt wieder eine sehr gute Fußballnationalmannschaft. 44.200 Zuschauer waren am Sonntagabend im Happel-Stadion Zeugen einer tadellosen Vorstellung. Montenegro wurde in der EM-Qualifikation hochverdient geschlagen. Das Team hält nun nach drei Spielen bei sieben Punkten, führt in der Gruppe G die Tabelle an. Die Endrunde 2016 in Frankreich ist also überhaupt kein Hirngespinst. Die vergangenen acht Matches wurden nicht verloren. So eine Serie gab es zuletzt von Jänner 1979 bis April 1980, also lange vor der Geburt der aktuellen Teamspieler.

Teamchef Marcel Koller ist ein Mensch mit Gefühlen. Er grübelte, wer den gesperrten Marc Janko ersetzen sollte und im Idealfall auch konnte. Wobei Janko aufgrund seiner Qualitäten schon etwas Spezielles ist - aber er hat am vergangenen Donnerstag in Moldau halt überreagiert, sein Rempler war mit der Roten Karte bestraft worden.

Zwei Spieler, nämlich Rubin Okotie und Lukas Hinterseer, standen zur Auswahl. Das Gefühl, der Bauch und vermutlich auch das Fachwissen sagten letztendlich "Okotie". Janko war übrigens kein nervöser oder auch sentimentaler Tribünengast, er musste schon am Sonntag vor Anpfiff nach Australien zum FC Sydney fliegen. Koller nahm zudem zwei freiwillige Änderungen vor, der genesene Martin Hinteregger warf Sebastian Prödl aus der Innenverteidigung. Martin Harnik durfte statt Marcel Sabitzer auf der rechten Seite stürmen.

Psychologischer Vorteil

Die Montenegriner hatten einen bitteren Ausfall zu beklagen. Stevan Jovetic zerrte sich im Abschlusstraining einen Muskel im Oberschenkel, vor dem Stürmer von Manchester City hatten die Österreicher zwar keine Angst, aber doch gehörigen Respekt. Er nahm auf der Bank Platz. Teamchef Branislav Brnovic hatte somit im Angriff kein international bemerkenswertes Duo mehr zur Verfügung. Kapitän Mirko Vucinic war sozusagen halbiert. Trotzdem traten elf Männer an.

Rein psychologisch betrachtet waren die Österreicher im Vorteil, sie zehrten von einem 2:1 in der Republik Moldau (fern von Großartigkeit, aber drei Punkte sind drei Punkte). Montenegro musste ein eher blamables 0:0 in Liechtenstein verdauen. Vucinic gestand ein: "Das liegt im Magen." Ein Plus gab es dafür bei den fußballerischen Fähigkeiten der Verbandspräsidenten. Dejan Savicevic hat diesbezüglich weit mehr erreicht als Leo Windtner, aber das war wirklich wurscht.

Bemerkenswertes Kombinationsspiel

Es wurde ein Duell auf Augenhöhe erwartet. Erwartungen müssen allerdings nicht immer erfüllt werden, im konkreten Fall lag es an den Österreichern. Denn sie waren von der ersten Sekunde an hellwach, zogen ein bemerkenswertes, druckvolles, schnelles Kombinationsspiel auf. 4. Minute: Traumhafter Steilpass von David Alaba, Harnik übernimmt halbvolley, Goalie Vukasin Poleksic pariert. 7. Minute: Marko Arnautovic scheitert am Hinterteil von Fatos Beciraj. Die linke Seite mit Kapitän Christian Fuchs und Arnautovic war eine Augenweide, sie versetzte Montenegro regelmäßig in Panik. Im Mittelfeld fing das Laufwunder Julian Baumgartlinger die Bälle ab.

15. Minute: Flanke Fuchs, Okotie köpfelt, Reflex Poleksic. 24. Minute, die Erlösung: Arnautovic narrt Montenegro, seinen Stanglpass verwertet Okotie zum 1:0. Ausgerechnet Okotie, der Ersatzmann von Janko, Fußball kann fast kitschig sein. Es war im siebenten Länderspiel das erste Tor des 27-jährigen Legionärs von 1860 München. "Es gibt nichts Schöneres, ich bin überglücklich", sollte er später sagen.

Danach wurden weitere hochkarätige Chancen kreiert (Hinteregger, Harnik, Zlatko Junuzovic), das 2:0 lag in der Luft, blieb aber in dieser hängen. Eine Fahrlässigkeit im Umgang mit Gelegenheiten war der einzige Kritikpunkt. Pause. Jovetic versuchte es dann doch. Geändert hat das wenig, Österreich blieb dominant. 50. Minute. Maßflanke Arnautovic, Harnik köpfelt an die Latte. 62. Minute: Hinterseer ersetzt den angeschlagenen Arnautovic, der mit tosendem Applaus verabschiedet wird. Fünf Minuten später hätte Hinterseer berühmt werden können, so eine Chance vergibt man nur einmal.

Koller geschafft

Montenegro wurde nur zweimal brandgefährlich. Erst Vucinic (74.), dann nochmals Vucenic (87.), aber Torhüter Robert Almer hielt den Sieg fest. Schlusspfiff. Jubel. Und Teamchef Koller badete in den Ovationen: "Fantastisch, das ist sehr schön", sagte der Schweizer. "Es wäre angesichts der vielen Möglichkeiten aber sehr ärgerlich gewesen, wenn wir den Ausgleich gekriegt hätten."

Der nächste Zwischenstopp auf der Reise nach Frankreich findet am 15. November statt. Russland, am Sonntag in Moskau beim 1:1 gegen Moldau ziemlich blamabel, kommt nach Wien, die Partie ist ausverkauft.

Am 18. November schaut Brasilien im Happel-Stadion vorbei. Das ist wunderbar und auch ausverkauft, hat aber mit der EM in Frankreich nichts zu tun. (Christian Hackl, DER STANDARD, 13.10.2014)

Fußball-EM-Qualifikation (Gruppe G, 3. Runde):

Österreich - Montenegro 1:0 (1:0). Wien, Ernst-Happel-Stadion, 44.200 Zuschauer, SR Nijhuis (NED)

Tor: 1:0 (24.) Okotie

Österreich: Almer - Klein, Dragovic, Hinteregger, Fuchs - Baumgartlinger, Alaba - Harnik, Junuzovic (77. Ilsanker), Arnautovic (63. Hinterseer) - Okotie (83. Lazaro)

Montenegro: Poleksic - Savic, Simic, Basa, Volkov - Nikolic, Zverotic (70. Jovovic) - Beciraj, Vukcevic (46. Jovetic), Bozovic (76. Damjanovic) - Vucinic

Gelbe Karten: Junuzovic, Baumgartlinger bzw. Zverotic, Bozovic, Simic

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