Kurz und Sanac starten Initiative gegen Radikalisierung

12. Oktober 2014, 17:44
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Jugendliche sollen mit Infofoldern, in Peer-Groups und mittels Videokampagne gegen IS immunisiert werden

Wien - Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) und der Präsident der Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Fuat Sanac, haben am Sonntag eine gemeinsame Initiative gegen die Radikalisierung Jugendlicher und den Missbrauch des Islam gestartet. Jugendliche sollen mit Foldern und in Peer-Groups vor den Gefahren der Radikalisierung gewarnt werden.

Islamgesetz gemeinsam ausarbeiten

Kurz und Sanac haben bei ihrem Treffen - im Vorfeld des Gipfels gegen Hass und Hetze (am Dienstag) - auch vereinbart, das neue Islamgesetz im Dialog auszuarbeiten und gemeinsam umzusetzen. Sanac hatte den Gesetzesvorschlag ja als teilweise verfassungswidrig kritisiert. Nach dem Gespräch mit Kurz sah er "die Chance", durch Dialog noch "einige Schieflagen auszugleichen". Der Außen- und Integrationsminister versicherte, dass man im Dialog mit der Glaubensgemeinschaft bleiben werde, "aber die Regierung hält Kurs".

Sehr einig waren sich die beiden im gemeinsamen Kampf gegen die Radikalisierung Jugendlicher. Der Infofolder soll österreichweit in allen Moscheen, Schulen und Islamischen Vereinen verteilt werden. Darin äußern sich Musliminnen und Muslime klar gegen Krieg und Terror, ergänzt durch Zitate aus dem Koran und Aussprüche des Propheten Mohammed. Die IGGiÖ wird Jugendliche zu Peers ausbilden, die in der Community gegen Radikalisierung auftreten sollen.

Videokampagne und Expertentagung

Einige weitere Maßnahmen werden vorbereitet: eine Videokampagne mit österreichischen Muslimen, die sich gegen den Terror der IS-Jihadisten ("Islamischer Staat) aussprechen ("Not in our name") im Oktober, eine Expertentagung zum Thema "Identität" im November, die Entwicklung einer "Charta" gegen Radikalisierung zur Unterzeichnung durch muslimische Vereine, Verbände und Institutionen sowie Anti-Radikalisierungs-Workshops beim Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Außerdem soll das Thema bei Fachkursen für Imame berücksichtigt werden.

"Wenn wir als gläubige Muslime entschieden gegen die Pervertierung unserer Religion auftreten, können wir aufklären und durch religiöses Wissen eine Art Immunisierung gegen die Terrorpropaganda erreichen", zeigte sich Sanac überzeugt. "Wir sind sehr besorgt, dass sich Tendenzen breitmachen, Muslime unter eine Art Generalverdacht zu stellen. Umso wichtiger ist das gemeinsame Auftreten. Muslime selbst sind wichtige Akteure in der Bekämpfung von Extremismus." Kurz will auch "deutlich machen, dass in Österreich das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen kein Problem sein soll und möglich ist". (APA, 12.10.2014)

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