Ukraine: Poroschenkos Zwickmühle

Kommentar12. Oktober 2014, 18:18
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Die nächste Pokerrunde ist eröffnet

Man hätte darauf wetten können, dass etwas von der Art kommen würde. Aber es war natürlich reiner Zufall, dass Kremlchef Wladimir Putin just am Vorabend des Formel-1-Grand-Prix in Sotschi den Abzug der russischen Truppen von der Grenze zur Ukraine ankündigte. Das tat er übrigens schon so oft, dass es dort längst keinen einzigen Soldaten mehr geben dürfte.

Wie auch immer - die nächste Pokerrunde ist eröffnet. Beim Europa-Asien-Gipfel kommenden Donnerstag und Freitag in Mailand wird Putin seinen ersten Auftritt auf der Weltbühne seit der Invasionsgedenkfeier in der Normandie Anfang Juni haben. Auch beim geplanten Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko wird er die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, sich als verantwortungsbewussten Staatenlenker zu präsentieren.

Denn Putin weiß, dass er bis auf weiteres die besseren Karten hat. Die Separatisten in der Ostukraine halten trotz formeller Waffenruhe den militärischen Druck aufrecht. Poroschenko seinerseits steckt kurz vor den Parlamentswahlen am 26. Oktober mehr denn je in der Zwickmühle.

Bekämpft er die Rebellen trotz der Minsker Vereinbarungen weiter entschlossen, kann ihn das viele Sympathien in der kriegsmüden Bevölkerung kosten. Kommt er den Separatisten politisch substanziell entgegen, stärkt das die nationalistisch-extremistischen Kräfte. Wie immer die Wahlen ausgehen - wirkliche Sieger wird es dabei nicht geben. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 13.10.2014)

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