Reformen, Investitionen gegen Absturz

12. Oktober 2014, 17:42
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Um einen erneuten Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern, seien konzertierte Aktionen nötig, sagen Währungsfonds und Weltbank

Washington - Regierungen und Notenbanken aus aller Welt wollen sich mit aller Macht gegen eine erneute globale Wirtschaftskrise stemmen. Reformen und Investitionen sollen verhindern, dass die Weltwirtschaft sechs Jahre nach der verheerenden Finanzkrise aberneut abstürzt. "Einige Länder sehen sich einem niedrigen oder nachlassenden Wachstum ausgesetzt, mit einer inakzeptabel hohen Arbeitslosigkeit", hieß es in dem Abschlusspapier des IWF-Lenkungsausschusses (IMFC) zum Ende der Jahrestagung des Währungsfonds und der Weltbank in der US-Hauptstadt.

Es sollten "kühne und ambitionierte" Maßnahmen ergriffen werden, um die Nachfrage zu steigern und Engpässe zu beheben. "Unsere höchste Priorität muss sein, das heutige tatsächliche Wachstum und das morgige Wachstumspotenzial zu unterstützen."

Konjunkturdelle

Der IWF hatte seine Prognose des globalen Wachstums für dieses Jahr zum dritten Mal in Folge gesenkt und rechnet nun mit 3,3 Prozent. Für 2015 reduzierte der Krisenhelfer seine Aussichten auf 3,8 Prozent. Auch Deutschland büßte dabei deutlich ein.

"Wir sind alle gefordert, dass wir Wachstum und Beschäftigung ankurbeln" , sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling im ORF-Radio. Insgesamt liege Österreich aber etwas über dem Schnitt.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte angesichts der Konjunkturdelle vor übertriebenem Pessimismus und falschen Erwartungen an Deutschland. "Es gibt keinen Grund, die Weltwirtschaft in irgendeine Krise zu reden", sagte er.

Niedriginflation

Zu den Gefahren für die Weltkonjunktur zählen dem IMFC zufolge die anziehende Geldpolitik und die zähe Niedriginflation in manchen großen Volkswirtschaften. Probleme seien auch riskante Spekulationen an Finanzmärkten und erhöhte geopolitische Spannungen. Sorgenvolle Blicke richteten sich bei dem Treffen vor allem auf Europa, das laut IWF Gefahr läuft, in eine erneute Rezession zu rutschen. Auch Japan und China wachsen für manche Beobachter zu langsam. Schäuble forderte Augenmaß: Das Wachstum sei nach wie vor einigermaßen befriedigend. "Wir haben keinen Grund, irgendwelche dramatischen Spekulationen zu schüren."

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, zeigte sich optimistisch über die weitere Entwicklung in der Eurozone. IWF-Chefin Christine Lagarde relativierte die Aussagen ihrer Ökonomen ebenfalls: "Das Wachstum ist zurück und wir haben eine Erholung", sagte sie, auch wenn die Daten leicht schlechter aussähen.

Schnelle Reformen

Drohende künftige Wachstumsprobleme müssten durch zügige Reformen in den Arbeitsmärkten und Sozialsystemen verhindert werden, forderte der IMFC-Vorsitzende, Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam. Damit werde in den Haushalten das Geld für die Konjunkturförderung frei. "Unser Hauptanliegen ist, nach vorn zu blicken, damit wir das sehr echte Risiko einer längeren Phase mit unzureichendem Wachstum abwenden." (DER STANDARD, 13.10.2014)



  • Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, muss zwar schlechtere Daten einräumen, gibt sich aber optimistisch.
    foto: ap/magana

    Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, muss zwar schlechtere Daten einräumen, gibt sich aber optimistisch.

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