Kraftakt für Verkauf der Hypo-Balkanbanken

12. Oktober 2014, 17:27
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Die Hauptversammlung der Staatsbank könnte den Verkauf der Südosteuropa-Banken am Mittwoch entscheiden

Wien - Läuft alles glatt, so fällt diese Woche die Entscheidung über den Verkauf der Südosteuropa-Holding (SEE) der Hypo Alpe Adria. Am vergangenen Donnerstag tagte der Privatisierungsausschuss der Staatsbank, am Mittwoch findet eine Hauptversammlung statt, in der Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten. Zunächst einmal muss in der Aktionärsversammlung aber die SEE-Holding aus der Hypo abgespalten werden. Sie kommt unters Dach des Finanzministeriums.

Dass sich die Sache so zieht, erzeugt bei dem einen oder anderen Aufseher Stirnrunzeln. Reibereien im (eigentlich noch neuen) Aufsichtsrat beförderten Verzögerungen, es herrsche "ziemliches Chaos, die Stimmung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ist nicht ideal", beschreibt es ein Beobachter. Auch die Hypo-Kontrollore seien einander nicht rasend zugetan: "Sie kommen am besten miteinander aus, wenn sie nichts miteinander zu tun haben."

Zeit drängt

Dabei ist Eile geboten. Um den Umbau der Hypo zur Nicht-Bank (die daher auch keinen Bankenkapitalvorschriften unterliegt) rechtzeitig zu schaffen, sind noch viele rechtliche Schritte zu setzen. Und zwar bis Ende dieses Monats.

Der Verkauf des Südosteuropa-Netzwerks der Staatsbank ist ein Puzzlestein; die Banken müssen gemäß EU-Bescheid bis Mitte 2015 verkauft sein. Gelingt das nicht, müssen sie abgewickelt werden. Das zum Verkauf stehende Paket besteht aus den Instituten in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro; es geht um 250 Filialen mit rund 4000 Mitarbeitern.

Um das SEE-Paket überhaupt verkaufbar zu machen, wurden den Instituten jede Menge faule Kredite abgenommen; sie wandern in die Abbaugesellschaft. Mutter Hypo hatte zuletzt rund zwei Mrd. Euro an Finanzierungen im Netzwerk stecken. Auch um das Schicksal dieses Geldes ging es in den Verhandlungen mit den Interessenten, ist es doch wesentlich für die Höhe des Kaufpreises.

Verlustgeschäft

Der wird nicht sehr hoch ausfallen, wie aus Eigentümerkreisen bestätigt wird. Der SEE-Verkauf wird wohl ein Verlustgeschäft - was bereits im Hypo-Finanzbericht 2013 prognostiziert wurde: "Sollte bereits 2014 eine Reprivatisierung des SEE-Netzwerkes gelingen, so ist davon auszugehen, dass der Wert des buchmäßigen Eigenkapitals dieser Banken von rund 1,3 Mrd. auf dem Markt nicht erzielt werden kann."

Die Hypo selbst hat ihr SEE-Netzwerk bereits 2013 um rund eine halbe Milliarde Euro abgewertet: auf 500 Mio. Euro. Und auch die wird der Käufer nicht auf den Tisch legen, wie zu hören ist.

Die besten Karten für einen Zuschlag der Balkanbanken hat, wie berichtet, der US-Fonds Advent, der sich mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) zusammengetan hat. Die EBRD soll allerdings nur zu rund fünf Prozent am Konsortium beteiligt sein. Aber genau die verleihen dem Anbot besonderen Charme, wie Eigentümervertreter erklären.

Oligarch mit schlechten Karten

Mehr Charme offenbar als das Angebot des bulgarischen Oligarchen Denis Barekov (Via-Group), der mit der russischen VTB Bank bietet - und bereit sein soll, "spürbar" mehr Geld auf den Tisch zu legen als Favorit Advent.

Wie auch immer die Entscheidung des Staates ausfällt: Ein paar Hürden bleiben noch. Alle lokalen Aufsichtbehörden müssen den oder die neuen Eigentümer akzeptieren. Und: Auch Hypo-Ex-Aktionärin BayernLB muss dem Deal zustimmen. (gras, DER STANDARD, 13.10.2014)

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