Bischöfe als Parfümeure: Rom setzt auf Kosmetik

Kommentar12. Oktober 2014, 16:26
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Von Anfang an hat sich Papst Franziskus nicht selbst in die Reformpflicht genommen, sondern von den "Gläubigen" Änderungen verlangt

Diesen Herbst sollte ein Reformruck durch die katholische Kirche gehen. Eine weltweite Umfrage sollte dafür die statistischen Mehrheiten liefern. Und die gerade in Rom tagende Bischofsynode sollte mit Beschlüssen für die Umsetzung sorgen.

Die Realität ist anders. Das Referendum wurde zwar in das 85-seitige Arbeitspapier zu Ehe, Familie und Sexualität eingearbeitet. Wie die Umfrage weltweit oder nach Lokalkirchen gegliedert ausgegangen ist, wurde nicht publiziert. Europäische Detailergebnisse haben ja ganz eindeutig Mehrheiten für Reformen gezeigt - für die Zulassung Geschiedener zu den Sakramenten oder für die Aufwertung homosexueller Paare.

Es wurde heftig debattiert, aber nach der ersten Woche scheint festzustehen: An der Lehre der katholischen Kirche ändert sich nichts. Lediglich eine menschenfreundlichere Sprache will man sich angewöhnen.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kleidete die Kosmetik in Beispiele. Dass eine homosexuelle Beziehung "einfach nichts" sei, solle man nicht sagen. Aber solche Beziehungen "gutzuheißen" sei auch nicht richtig. Ähnliche Beispiele wurden auch von anderen Kardinälen und Bischöfen zitiert, nachdem sie sich "Zeugnisse aus dem wirklichen Leben" angehört hatten.

Papst Franziskus selbst hat offenbar diese Linie festgelegt. Weil er nach seiner Wahl zu Reformen aufgerufen hatte, weil er so fröhlich wirkte im Kontrast zu seinem selten lächelnden Vorgänger, hielt man ihn gleich für einen neuen Johannes XXIII.

In der Tat ist diese Bischofssynode mit ihren 191 stimmberechtigten Delegierten die erste größere und beschlussfähige Kirchenversammlung seit den Konzilspäpsten Johannes und Paul VI. Aber schon der Begriff "Bischofssynode" stimmt nicht ganz, denn 114 von ihnen sind Vorsitzende der Bischofskonferenzen (in der Regel Kardinäle), 25 sind Mitglieder der römischen Kurie und 26 wurden vom Papst selbst nominiert.

Dass Lateinisch nicht mehr die offizielle Konferenzsprache ist, dass außerhalb der Synode getwittert werden darf und öffentliche Wortmeldungen von Bischöfen keiner Zensur mehr unterliegen, ist erfreulich, aber noch lange kein ernstzunehmender Reformschritt.

In einer Zeit, wo sich die Kritik des polnischen Papstes Johannes Paul II. an der westlichen Konsum- und Giergesellschaft für die katholische Kirche immer öfter bestätigt, ist auch von einer Bischofssynode keine Hinwendung zu Hedonismus oder Relativismus (Papst Benedikt XVI.) zu erwarten.

Trotzdem hat Franziskus in den Fragen des Pillen- und Kondomgebrauchs oder beim Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren Hoffnungen geweckt. Wer jedoch genau hingehört hat, konnte auch des freundlichen Papstes ureigene Unentschlossenheit bemerken. Von Anfang an hat er sich nicht selbst in die Reformpflicht genommen, sondern von den "Gläubigen" Änderungen verlangt.

Dazu sind - wenn sie nicht im letzten Moment noch der Heilige Geist mit Scheinwerfern erleuchtet - die Synodalen in Rom nicht bereit.

Zumindest in Europa werden sie dadurch weiter an Einfluss verlieren. Kosmetik ist kein Reforminstrument. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 13.10.2014)

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