Poitras-Film bestätigt Existenz eines neuen NSA-Whistleblowers

12. Oktober 2014, 13:10
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Snowden sei von der Nachricht eines Nachfolgers "bewegt und gespannt", wie eine Szene in "CitizenFour" zeigt

Drei Namen sind bei der Enthüllung und Aufarbeitung der NSA-Affäre eng miteinander verwoben: Whistleblower Edward Snowden, Journalist Glenn Greenwald und Filmemacherin Laura Poitras. Dazu könnte womöglich bald ein vierter kommen: Denn in Poitras neuer Doku "Citizenfour" wird die Existenz eines zweiten NSA-Whistleblowers, der noch aktiv ist, offiziell bestätigt. Die Journalisten Greenwald und Poitras scheinen mit ihm in Kontakt zu stehen und bereits Artikel über dessen Enthüllungen veröffentlicht zu haben.

Poitras und Greenwald kannten sich schon lange, bevor Snowden sie kontaktiert hatte: Poitras galt bereits in den Jahren zuvor als Expertin zum Thema Überwachung beschäftigt, die Journalisten war selbst zur "Zielscheibe für die US-Regierung" geworden. Aus diesem Grund war sie von Greenwald, damals für das US-Magazin Salon tätig, porträtiert worden.

Snowden liest von Greenwald über Poitras

Greenwalds Artikel war wiederum von Edward Snowden gelesen worden, der daraufhin beschloss, die beiden Reporter zu seinem Sprachrohr gegen Überwachung zu adeln. Deshalb kontaktierte Snowden Greenwald und kurz darauf Poitras. Sein Pseudonym: Citizenfour. So ist auch der Film betitelt, mit dem Poitras jetzt Einblick in die Zeit nach der Kontaktaufnahme mit Snowden gewährt.

In 114 Minuten "voller Spannung und Klugheit", so der Guardian über den Film, der im November Deutschland-Premiere feiert, führt Poitras vom ersten Aufeinandertreffen Snowdens in Hongkong bis in die Gegenwart.

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Die Welt erschüttert

Dazwischen liegen vierzehn Monaten, in denen Snowdens Enthüllungen über Massenüberwachung durch die NSA die Welt erschüttert hat – und offenbar eine weitere Person in der NSA inspirierte, selbst Licht in die Machenschaften des US-Militärgeheimdienstes zu bringen. Denn Poitras Film bestätigt, was viele Journalisten schon länger vermuten: Snowden hat einen Nachfolger gefunden; es gibt einen zweiten NSA-Whistleblower.

Snowden erfährt von zweitem Whistleblower

In einer laut Guardian berührenden Szene zeigt "Citizenfour", wie Snowden diese Nachricht von Greenwald, Poitras und deren TheIntercept-Kollegen Jeremy Scahill erfährt. Snowden sei zwar zurückhaltend, aber doch sichtlich bewegt und aufgeregt, beschreibt der Guardian über die Szene. Denn ein zweiter Whistleblower hat große Implikationen, vor allem wenn er noch bei der NSA aktiv ist – wonach es scheint. So scheinen die Versuche, Snowden als Verräter oder gar russischen Spion darzustellen, durch den Nachahmer gescheitert.

Einige Themen ausgelassen

In anderen Fragen liefere Poitras neuer Film, zu dessen Premiere auch neue Enthüllungen veröffentlicht wurden, allerdings nur wenige Antworten: So spart die Doku laut Guardian aus, welche Rolle Wikileaks und Julian Assange bei Snowdens Flucht nach Russland gespielt hatten. Außerdem werde kaum Einblick in Snowdens aktuelle Lebensumstände gewährt. In dieser Hinsicht wurde aber immerhin durch Glenn Greenwald bekannt, dass die ehemalige Freundin des Whistleblowers, die er bei seiner Flucht zurücklassen musste, nach Russland gezogen ist. Zumindest auf familiärer Ebene könnte es also ein Happy-End für den NSA-Whistleblower geben. (fsc, derStandard.at, 12.10.2014)

  • Laura Poitras (links) erzählt in "CitizenFour" von ihren Erlebnissen mit Glenn Greenwald (rechts) und Edward Snowden
    foto: reuters/munoz

    Laura Poitras (links) erzählt in "CitizenFour" von ihren Erlebnissen mit Glenn Greenwald (rechts) und Edward Snowden

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