Fall Pistorius: Warten auf das Strafausmaß

13. Oktober 2014, 16:04
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Entscheidung könnte noch diese Woche fallen - Mordanklage zurückgewiesen

Pretoria - Im spektakulären Prozess gegen den südafrikanischen Sportler Oscar Pistorius hat die wahrscheinlich letzte Etappe begonnen. Nachdem er vor einigen Wochen wegen fahrlässiger Tötung seiner seiner 29 Jahre alten Freundin Reeva Steenkamp verurteilt worden war, wird jetzt über seine Strafe beraten. Er hatte sie in der Nacht auf den Valentinstag 2013 durch eine geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen. Pistorius gab an, sie mit einem Einbrecher verwechselt zu haben.

Pistorius erschien am Montagmorgen in Begleitung von Familienmitgliedern zu dem Gerichtstermin in Pretoria. Schon kurz nach Beginn haben sich Verteidigung und Anklage ein erstes Gefecht um die Höhe des Strafmaßes geliefert. Staatsanwalt Gerrie Nel zog am Montag Aussagen der Trauma-Therapeutin Lore Hartzenberg in Zweifel. Sie stellte Pistorius als gebrochenen Mann dar, der unfähig sei, den Tod seiner Geliebten zu überwinden.

Nun muss Richterin Thokozile Masipa nach der Anhörung von Argumenten der Anklage und der Verteidigung entscheiden, welche Strafe Pistorius dafür bekommt. Möglich wären nach südafrikanischem Recht bis zu 15 Jahre Haft. Dem einstigen Sportidol Südafrikas könnte das Gefängnis aber auch erspart bleiben. Masipa hat die Möglichkeit, eine Bewährungsstrafe zu verhängen oder sogar nur Hausarrest in Kombination mit gemeinnütziger Arbeit.

Nach Ansicht eines Sachverständigen sollte Pistorius drei Jahre Hausarrest bekommen. Das erklärte der von der Verteidigung mit einem Gutachten beauftragte Sozialarbeiter im Strafvollzug, Mashaba Joel Maringa, am Montag vor Gericht im südafrikanischen Pretoria. Im Fall von Pistorius würde Hausarrest in Kombination mit monatlich 16 Stunden gemeinnütziger Arbeit garantieren, dass der Verurteilte nicht rückfällig werde und sein Verhalten grundsätzlich ändere, erklärte Maringa bei der Anhörung zur Festlegung der Strafe.

"Gewissensbisse echt"

"Oscar Pistorius mag ja ein gebrochener Mann sein, aber er kann sein Leben fortsetzen", sagte Staatsanwalt Nel im Kreuzverhör zur Einschätzung Hartzenbergs. Die Trauma-Expertin hatte Pistorius monatelang betreut, nachdem er seine Freundin - versehentlich, wie er immer wieder beteuerte - mit mehreren Schüssen getötet hatte. Pistorius habe oft spontan geweint, Trauer und Schmerz hätten ihn überwältigt.

"Ich kann bestätigen, dass seine Gewissensbisse und sein Schmerz echt sind", sagte Hartzenberg. Seit der Bluttat fühle sich der einst angehimmelte Sportstar bis heute "absolut wertlos". Er habe noch keinen Weg gefunden, sein Trauma zu überwinden.

Der Staatsanwalt versuchte immer wieder, dies in Zweifel zu ziehen. Unter anderem, indem er andeutete, Pistorius könne bereits wieder an die Fortsetzung seiner Karriere als Paralympics-Sportler denken.

Nel hatte Pistorius wegen Mordes angeklagt. Damit hatte er sich jedoch nicht durchsetzen können. Die Richterin befand, dass für Mord keine hinreichenden Beweise vorgelegt worden seien. Sie akzeptierte die Version des beinamputierten und auf Prothesen laufenden Sprinters, wonach er die Person hinter der Toilettentür für einen Einbrecher gehalten habe. Jedoch sei die Abgabe mehrerer Schüsse absolut fahrlässig gewesen.

Entscheidung bis Ende der Woche erwartet

Pistorius, der am Morgen in einem dunklen Anzug mit weißem Hemd und dunkler Krawatte erschien, folgte der Verhandlung mit versteinerter Mine. Meistens hielt er seinen Kopf gesenkt. Er war in Begleitung von Cousins zum Gericht gefahren. Sie schirmten ihn am Eingang von der Zuschauermenge ab.

Die Entscheidung über das Strafmaß werde Richterin Masipa voraussichtlich bis Ende der Woche fällen, sagte der Sprecher der Nationalen Strafverfolgungsbehörde (NPA) Südafrikas, Nathi Mncube, zu Reportern. Nach der Verteidigung bekommt die Staatsanwaltschaft Gelegenheit, neue Zeugen zu präsentieren. Damit wird für Dienstag gerechnet.

Unklar ist bisher, ob Pistorius im Falle einer Verurteilung zu einer Haftstrafe sofort ins Gefängnis muss. Bisher ist er auf Kaution frei. Möglich wäre auch, dass Staatsanwaltschaft oder Verteidigung Berufung gegen das Strafmaß einlegen. Dann könnte Pistorius mindestens bis zur Verhandlung vor einer höheren Instanz weiter gegen Kaution in Freiheit bleiben.

Ein Sachverständiger plädierte am Montag für die Option eines drei Jahre dauernden Hausarrests. Das erklärte der von der Verteidigung mit einem Gutachten beauftragte Sozialarbeiter im Strafvollzug, Mashaba Joel Maringa, vor Gericht.

Im Fall von Pistorius würde Hausarrest in Kombination mit monatlich 16 Stunden gemeinnütziger Arbeit garantieren, dass der Verurteilte nicht rückfällig werde und sein Verhalten grundsätzlich ändere, erklärte Maringa bei der Anhörung zur Festlegung der Strafe.

Das Gutachten stieß auf heftigen Protest der Staatsanwaltschaft. Allein die Vorstellung, dass Pistorius mit Hausarrest davonkommen könnte, sei "schockierend", erklärte Nel. (APA/dpa, 13.10.2014)

  • Oscar Pistorius muss mit bis zu 15 Jahren Haft im Gefängnis rechnen.
    foto: reuters/siphiwe sibeko

    Oscar Pistorius muss mit bis zu 15 Jahren Haft im Gefängnis rechnen.

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