Fiat Chrysler Automobiles gibt Börsen-Debüt

12. Oktober 2014, 09:21
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Börsengang der Fiat Chrysler Automobiles auch in Mailand - Konzernchef Marchionne übernimmt Ruder bei Ferrari

Mailand/New York - Fiat startet in eine neue Ära. Die eigens gegründete Holding Fiat Chrysler Automobiles (FCA), die aus der Fusion des Turiner Autobauers Fiat mit dem US-Partner Chrysler entsteht, wird am Sonntag offiziell aus der Taufe gehoben. Am Montag debütieren die FCA-Aktien dann an der New Yorker Wall Street. Nach 111 Jahren verliert die Mailänder Börse eine ihrer Spitzenaktien. Fiat notiert dort seit 1903.

Das Börsendebüt an der Wall Street erfolgt für die FCA an einem symbolträchtigen Tag, denn am Montag wird in New York der "Columbus Day" zu Ehren des Italieners Cristoforo Colombo gefeiert. Dieses Element will Fiat-Chef Sergio Marchionne bei einer Feier zum Abschluss des ersten Handelstages der Aktien an der Wall Street besonders hervorheben. Nach dem Schritt an die Börse begibt sich Marchionne mit seinem Finanzchef, Richard Palmer, auf eine Tour durch die USA, um die Aktie den wichtigsten Investoren vorzustellen. Das wird ein wichtiger Test, um festzustellen, ob die US-Finanzkreise Potenzial in der neuen Aktie sehen und ob sie die Entwicklungspläne des Konzerns finanziell unterstützen wollen.

Am 29. Oktober tagt das Führungsgremium der FCA erstmals am neuen Firmensitz in London. Er wird entscheiden, ob eine Kapitalaufstockung notwendig ist, um Marchionnes ambitionierten Wachstumsplan zu unterstützen, den er im Mai bereits angekündigt hat. Fiat hat aus steuerlichen Gründen seinen Firmensitz von Turin nach Großbritannien verlegt. Über 50 Manager und Mitarbeiter haben bereits die historische Zentrale Lingotto in Turin verlassen und ihre neuen Büros in London bezogen. Damit verliert Fiat seine italienische Identität und rückt immer mehr zum globalen Schwergewicht der Autoindustrie auf.

Neuer Ferrari-Chef

Der kommende Montag ist für Marchionne aber nicht nur wegen des FCA-Debüts an der Wall Street wichtig. Der Spitzenmanager aus der Apenninen-Region Abruzzen übernimmt an diesem Tag auch das Steuer der Tochter Ferrari und ersetzt somit den langjährigen Konzernpräsidenten Luca Cordero di Montezemolo. Dieser hatte in den letzten 23 Jahren beim Sportwagenhersteller in Maranello als Alleinherrscher regiert. Nach enttäuschenden sportlichen Leistungen von Ferraris Formel-1-Team und Meinungsverschiedenheiten mit Marchionne hatte sich Montezemolo dazu entschlossen, sich von Ferrari zu trennen. Ihm dürfte jetzt ein Sessel an der Spitze der FCA winken.

Mit dem Emissionserlös will Marchionne den Marken Alfa Romeo und Maserati neuen Schwung verleihen sowie die Jeep-Sparte weltweit erfolgreich machen. Vor allem in Asien ist die Gruppe bisher nur schwach vertreten. Bis 2018 soll der Absatz insgesamt um 60 Prozent zulegen. Sergio Chiamparino, Präsident der Region Piemont und ehemaliger Turiner Bürgermeister, lobt Marchionne wegen seines Sanierungstalents. "Marchionne hat nicht nur den Weg gefunden, Fiat zu retten, sondern auch, daraus einen Weltkonzern zu machen. Er hat auch eine Strategie entwickelt, um die Arbeitskräfte flexibler einzusetzen und dem globalen Wettbewerb effizienter standzuhalten", so Chiamparino.

Marchionne, der Italiens bestbezahlter Manager ist, bekundete diese Woche, dass er bis 2018 bei Fiat bleiben wolle, danach werde er sich von der FCA trennen. Marchionnes Erfolgshunger scheint aber noch nicht gestillt. Sein Ziel sei es, Fiat als zweiten Autokonzern nach Toyota - auf Augenhöhe mit Volkswagen- zu etablieren, berichten Branchenexperten. Der Weg dahin ist allerdings noch weit. Der ehrgeizige Manager darf sich auf weitere Herausforderungen freuen. (APA, 12.10.2104)

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    foto: reuters/benoit tessier
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