Kampf um Kobanê: Kurden fordern verstärkte Luftangriffe

11. Oktober 2014, 21:59
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Jihadisten bringen Panzer und Artillerie in Stellung - Aktivisten: Mehrere Selbstmordanschläge vereitelt

Kobane (Ayn al-Arab/Kobanê) - Angesichts des Vormarsches der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in der syrischen Stadt Kobanê haben kurdische Kämpfer verstärkte Luftangriffe auf die Stellungen ihrer Gegner gefordert. Zwar habe der IS durch die Luftangriffe schwere Verluste erlitten, erklärte die Kurdenmiliz YPG am Samstag. In den vergangenen beiden Tagen seien die Einsätze aber nicht mehr so erfolgreich gewesen.

Der Kommandant der kurdischen Kämpfer, Esmat Al-Sheikh, sagte, der IS habe Panzer und Artilleriegeschütze zur Verstärkung gebracht. Außerdem sei es wegen der Straßenkämpfe schwieriger, IS-Kämpfer aus der Luft anzugreifen. Die Stadt Kobanê arabisch: Ayn al-Arab), die dicht an der Grenze zur Türkei liegt, wird von den Extremisten von drei Seiten aus belagert.

Angriffe abgewehrt

Der Aktivist Farhad al-Shami berichtete, dass es den nur mit leichten Waffen ausgerüsteten Kämpfern gelungen sei, in der Nacht mindestens sieben Angriffe im Südwesten zurückzuschlagen. Ismat Hassan vom Verteidigungsrat in Kobanê sagte der kurdischen Nachrichtenagentur Welati, seine Kämpfer hätten nachts mindestens zwei Selbstmordanschläge von IS-Angreifern in der Nähe des Zentrums vereitelt. Im Laufe des Samstags wehrten kurdische Kämpfer nach Informationen der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. erneut zwei Selbstmordattentäter ab.

Kein Nachschub aus der Türkei

Nach Erkenntnissen Beobachtungsstelle verweigert die Türkei den Kurden die Lieferung von Nachschub vom Norden aus. Die Regierung in Ankara verhält sich auch zurückhaltend, weil die YPG eine Schwesterorganisation der Kurdischen Arbeiterpartei PKK ist, die jahrzehntelang gegen die Sicherheitskräfte des Landes kämpfte und auch von westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird.

Nebel behindert Luftangriffe

Die Streitkräfte der USA und mehrerer arabische Staaten haben vor allem in den vergangenen Tagen Angriffe auf IS-Stellungen rund um Kobanê geflogen. US-Regierungskreisen zufolge könnte die Stadt in den kommenden Tagen dennoch in die Hand der Islamisten fallen, die bereits weite Teile Syriens und des Irak unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Viele Bewohner Kobanês sind bereits geflüchtet. Nach UNO-Erkenntnissen droht aber ein Massaker, weil sich bis viele ältere Menschen noch immer dort aufhalten. Im Grenzgebiet zur Türkei seien außerdem bis zu 13.000 weitere Menschen bedroht, sagte der UNO-Gesandte Staffan de Mistura am Freitag.

Die Extremistenmiliz IS zeigte sich unterdessen unbeeindruckt von den internationalen Luftschlägen und erhöhte nicht nur den Druck auf Kobanê, sondern startete auch neue Angriffe im Irak. Laut dem Nachrichtenportal "Sumaria News" begannen sie eine Offensive mit dem Ziel, die strategisch wichtige Stadt Amriyat al-Falluja einzunehmen. Die Regionalregierung der westlichen Provinz Anbar habe sich vor diesem Hintergrund entschieden, den Einsatz von Bodentruppen durch die Anti-IS-Koalition zu befürworten. (red/APA/Reuters, 11.10.2014)

  • Starker Nebel verhinderte am Samstag stundenlang weitere Luftangriffe auf IS-Stellungen
    foto: epa/tolga bozoglu

    Starker Nebel verhinderte am Samstag stundenlang weitere Luftangriffe auf IS-Stellungen

  • Tele-Aufnahme von der türkischen Grenze aus: im Vordergrund sind IS-Kämpfer zu erkennen
    foto: ap photo/lefteris pitarakis

    Tele-Aufnahme von der türkischen Grenze aus: im Vordergrund sind IS-Kämpfer zu erkennen

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