ÖVP-Frauen fordern Reißverschlusssystem

11. Oktober 2014, 14:56
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Doris Schittenhelm bei Bundestag als Leiterin der ÖVP-Frauen bestätigt

Hörsching - Die ÖVP-Frauen fordern ein Reißverschlusssystem auf allen Listen der Partei. Das wurde in einem Leitantrag beim Bundestag in Linz am Samstag einstimmig beschlossen. Die Abgeordnete Dorothea Schittenhelm wurde in ihrem Amt der Bundesleiterin bestätigt.

Die Bundesleiterin begründete den Leitantrag auch damit, dass die Gesellschaft das Leistungspotenzial und die soziale Kompetenz der Frauen brauche. Dem Argument, es gebe zu wenig geeignete Frauen, widersprach sie: "Es gibt genug, doch es sind nicht immer die Frauen, die die Männer wollen." Auf die Forderungen der Frauen gebe es nur immer ein "Sonntagslächeln, aber sonst nichts". Sie wollten mit der verpflichtenden Repräsentation aber nicht nur bei der "arbeitenden Truppe" sein, sondern auch Verantwortung übernehmen und dazu in Führungspositionen kommen.

Männerpartei ÖVP

"Die Mitwirkung der Frauen in der ÖVP ist unverzichtbar", stellte Schittenhelm fest. Ansonsten gebe es einen Mangel an politischen Vorbildern für den Nachwuchs, ein negatives Signal an die Jugend, und das Image der ÖVP als Männerpartei werde verstärkt. Dies zusammen bedeute eine permanente Schwächung der ÖVP. Sie bestehe nicht auf einem Reißverschlusssystem: "Wenn es etwas besseres gibt - her damit". Doch jeder, der Auto fahren kann, kenne es: Es werde einen "Stau" und einen "Crash" in der Partei vermeiden.

"Wir sind nicht die kleineren Männer"

Zuvor forderte Schittenhelm im Sinne des Leitantrages auch gleichen Lohn für gleiche Leistung. Weiters verlangte sie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung, vier Jahre Pensionsbegründung pro Kind, steuerliche Entlastung der Familien und Berücksichtigung des Geschlechtes im Bereich des Gesundheitswesens - "wir sind nicht die kleineren Männer".

Schittenhelm mit 99 Prozent bestätigt

Schittenhelm wurde von 99,28 Prozent - eine ungültige, eine Gegenstimme - der 138 anwesenden Delegierten als Bundesleiterin bestätigt. Ihre Stellvertreterinnen wurden nicht mehr gewählt. Die neun Landesleiterinnen sind es durch eine vom Bundestag beschlossene Statutenänderung automatisch. Abschied nehmen hieß es von der offiziellen Bezeichnung "Frauenbewegung", nunmehr nennt sich dieser Bund "ÖVP Frauen".

Der Bundestag ging erst eineinhalb Stunden nach dem offiziellen Beginn in den "Arbeitsmodus" - wie es ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner ausdrückte. So lange gab es Grußworte von ihm und unter anderem von Familienministerin Sophie Karmasin, vom Landeshauptmann des gastgebenden Bundeslandes, Josef Pühringer, und den Obleuten des Wirtschaftsbundes, Christoph Leitl, und des Seniorenbundes, Andreas Khol.

Zum Thema Reißverschlusssystem oder auch Frauenquote meinte Mitterlehner, diese müsse nicht nur gesagt, sondern auch gelebt werden. Ex-Außenministerin Ursula Plassnik, derzeit österreichische Botschafterin in Paris, befasste sich in einem Referat mit der Lage der Frauen, auch weltweit. (APA, 11.10.2014)

  • Doris Schittenhelm (Mitte): "Auf die Forderungen der Frauen gibt es nur immer ein Sonntagslächeln, aber sonst nichts."
    foto: apa/jaeger

    Doris Schittenhelm (Mitte): "Auf die Forderungen der Frauen gibt es nur immer ein Sonntagslächeln, aber sonst nichts."

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