Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Bosnien begonnen

12. Oktober 2014, 08:10
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Umfragen deuten auf Niederlage des amtierenden Präsidenten Dodik hin - Erste Ergebnisse um Mitternacht erwartet

Sarajevo - In Bosnien haben am Sonntag um 7.00 Uhr früh landesweite Parlaments- und Präsidentschaftswahlen begonnen. Rund 3,2 Millionen stimmberechtigte Bürger wählen die drei Mitglieder des Staatspräsidiums - je ein "Präsident" für die bosniakische, die serbische und die kroatische Volksgruppe - sowie die 42 Abgeordneten des nationalen Parlamentes.

Auch in den zwei Landesteilen, der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der Republika Srpska, werden die Parlamente gewählt. Die rund zwei Millionen Wahlberechtigten der Bosniakisch-Kroatischen Föderation bestimmen zudem zehn kantonale Parlamente, die 1,2 Millionen Wahlberechtigten der Republika Srpska ihren Präsidenten und zwei Vizepräsidenten.

Insgesamt werden 518 Ämter vergeben, um die sich 7.700 Kandidaten bewerben. Den Wahlverlauf verfolgen etwa 300 internationale Beobachter der OSZE, bzw. ihrer Organisation für Demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR); zum ersten Mal aber auch gut 3.000 Beobachter des heimischen nicht-staatlichen Bündnisses "Unter der Lupe". Erste offizielle Wahlergebnisse will die Wahlkommission um Mitternacht bekannt geben.

Niederlage zeichnet sich ab

Am Tag vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Bosnien zeichnet sich eine Niederlage des amtierenden Präsidenten des serbischen Landesteils Milorad Dodik ab. Eine aktuelle Ipsos-Umfrage sieht seinen Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten (SNSD) zwar klar in Führung, Dodik jedoch nur auf dem zweiten Platz hinter Ognjen Tadic von der Serbisch Demokratischen Partei (SDS).

Demnach kann Tadic mit 53,5 und Dodik mit 44,3 Prozent der Stimmen Rechnen. Die SNSD liegt bei 33,4 Prozent, die SDS mit 31,3 Prozent knapp dahinter. Zum ersten Mal seit langem konnte Dodik diesmal nicht auf Unterstützung aus Serbien zählen: Man werde auf keinerlei Weise den Urnengang in der Republika Sprska beeinflussen, wiederholte der serbische Premier Aleksandar Vucic am Freitagabend einmal mehr.

Dreiköpfiges Staatspräsidium

Auch die SNSD-Kandidatin für das dreiköpfige Staatspräsidium, das aus jeweils einem "Präsidenten" der kroatischen, der bosniakischen und der serbischen Bevölkerungsgruppe besteht, muss der Umfrage zufolge eine Niederlage befürchten. Zeljka Cvijanovic kommt auf 41,3 Prozent, Mladen Ivanic von der kleinen Partei des Demokratischen Fortschritts darf dank SDS-Unterstützung mit 53,5 Prozent rechnen. Allerdings gaben auch 32 Prozent der Befragten an, sich bisher noch nicht entschieden zu haben - die SNSD darf also noch hoffen.

Mit keinen großen Überraschungen ist im zweiten, größeren Landesteil, der Bosniakisch-Kroatischen Föderation, zu rechnen. Hier liegt die vor eineinhalb Jahren gegründete Demokratische Front (DF) mit 18 Prozent stabil an erster Stelle. Es folgen die Partei der Demokratischen Aktion (SDA) mit 15 Prozent, die Sozialdemokratische Partei (SDP) mit 11, sowie der Bund für eine Bessere Zukunft (SBB) mit neun Prozent. (APA, 12.10.2014)

  • Milorad Dodik liegt laut einer aktuellen Umfrage auf Platz zwei.
    foto: ap photo/radivoje pavicic

    Milorad Dodik liegt laut einer aktuellen Umfrage auf Platz zwei.

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