Entscheidung für Kwjat in zehn Minuten

11. Oktober 2014, 12:05
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Motorsportberater von Red Bull über die zügige Bestellung des Vettel-Nachfolgers: Keine Zweifel über Fähigkeiten des jungen Russen - Hamilton im Abschlusstraining Schnellster

Sotschi - Red Bull blickt nach dem Abschied von Vierfach-Champion Sebastian Vettel am Saisonende optimistisch in die Zukunft. Ein hungriges Fahrerduo soll für die Dominatoren der letzten Jahre eine neuen Ära einläuten. "Es ist der richtige Zeitpunkt", sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko zur Trennung. "Wir konnten Sebastian kein Siegerauto mehr zur Verfügung stellen, da hat er sich nach einer neuen Motivation umgesehen."

Marko habe geahnt, dass sich Vettel nach vier WM-Titeln in sechs Jahren verabschieden würde, doch ein gröberer Rückschlag für das Team sei das nicht. "Wir sind Red Bull, wir arbeiten immer mit jungen Leuten, die wir nach oben bringen. Und zum Glück hatten wir sofort einen Ersatz parat", sagte der Österreicher.

"Machen Dinge auf unsere Weise"

In Rekordzeit entschied man sich für die Beförderung des Russen Daniil Kwjat. "Es gibt einen Besitzer, dann gab es ein Telefongespräch von zehn Minuten, und dann war die Entscheidung gefällt", sagte Marko. Erst am Freitagabend vor einer Woche hatte Vettel Red Bull über seinen Abschied am Saisonende informiert, schon Samstagfrüh präsentierte das Team von Milliardär Dietrich Mateschitz überraschend Kwjat als Nachfolger.

In der Führungsebene habe es keine Zweifel gegeben, dass der 20 Jahre alte Russe der richtige Mann für den Job bei Red Bull Racing ist und Vettel ersetzen soll. "Wir kannten unsere Alternativen und wissen, dass er einen unglaublichen Speed und eine unglaubliche Kontrolle über das Auto hat", sagte Marko im Fahrerlager von Sotschi. Kwjat fährt aktuell in seiner ersten Formel-1-Saison für Red Bulls Ausbildungsteam Toro Rosso und hatte in seinem ersten Rennen in Australien als jüngster Fahrer der Geschichte einen WM-Punkt geholt.

Die Fahrerwahl bei Red Bull löste in der Szene durchaus Verwunderung aus. Anstatt sich die Dienste eines Topfahrers zu sichern, geht der Rennstall mit dem jungen Duo Ricciardo/Kwjat ein gewisses Risiko ein. Marko lässt das kalt: "Wir haben die Dinge immer auf unsere Weise gemacht und werden das auch weiterhin tun."

Über Vettels Zukunft ist offiziell hingegen noch immer nichts bekannt. Auch beim Großen Preis von Russland hält sich der 27-Jährige bedeckt. "Es gibt keine Updates", sagte Vettel. Angeblich ist er sich längst mit der Scuderia Ferrari einig und soll in der kommenden Saison für die Italiener fahren. Doch die Bestätigung für den spektakulärsten Fahrerwechsel der letzten Jahre lässt weiter auf sich warten.

Ricciardo Nummer eins

Red Bulls neue Nummer eins wird der dreimalige Grand-Prix-Sieger Daniel Ricciardo. "Wir haben einen Topfahrer, und das gibt einem die Sicherheit, dass man etwas erreichen kann", sagte Marko über den 25-Jährigen. Der stets gut gelaunte Australier stahl Vettel in dieser Saison mehrfach die Show und konnte im Gegensatz zu seinem Stallrivalen Siege einfahren. Ricciardo war vor dem Rennen in Sotschi der einzige Pilot im gesamten Feld, der die dominanten Mercedes-Boloden von Lewis Hamilton und Nico Rosberg bezwungen hat.

Allerdings erhielt Vettel Rückendeckung von Marko. "Sie hatten ganz unterschiedliche Voraussetzungen", betonte der 71-Jährige: "Sebastian war an ein fantastisches Auto gewöhnt und musste sich umgewöhnen, Daniel dagegen kam von einem kleineren Team und dankte Gott, dass er in so einem tollen Auto sitzen kann." Auch der Druck sei ein ganz anderer gewesen.

Hamilton bleibt schnell

Im letzten Training zum GP von Russland war erneut Lewis Hamilton der Schnellste. Er verwies am Samstag in Sotschi seinen Mercedes-Kollegen Nico Rosberg auf den zweiten Platz. WM-Spitzenreiter Hamilton war auf dem 5,853 Kilometer langen Kurs auf seiner besten Runde 0,290 Sekunden schneller als sein deutscher Verfolger.

Dritter wurde der Finne Valtteri Bottas im Williams vor Ricciardo im Red Bull. Vettel kam nicht über Platz zehn hinaus. (sid/red - 11.10. 2014)

Ergebnisse 3. Freies Training für GP von Russland in Sotschi: 1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:38,726 Minuten - 2. Nico Rosberg (GER) Mercedes 1:39,016 - 3. Valtteri Bottas (FIN) Williams 1:39,097 - 4. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 1:39,755 - 5. Felipe Massa (BRA) Williams 1:39,954 - 6. Daniil Kwjat (RUS) Toro Rosso 1:40,009 - 7. Kimi Raikkönen (FIN) Ferrari 1:40,011 - 8. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:40,151 - 9. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso 1:40,205 - 10. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:40,338 - 11. Jenson Button (GBR) McLaren 1:40,355. Weiter: 17. Kevin Magnussen (DEN) McLaren 1:42,436

  • Der neue Vettel heißt Daniil Kwjat.
    foto: apa/epa/suki

    Der neue Vettel heißt Daniil Kwjat.

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