"Kobanê wird ein Opfer sein"

11. Oktober 2014, 10:30
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Die USA hätten die Stadt längst aufgegeben - Ein Einsatz von Bodentruppen sei solange ausgeschlossen, bis auch die Türkei aktiv werde

Kobanê - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Angriffe auf Kobanê am Samstag weiter intensiviert. Nach Angaben kurdischer Aktivisten gab es in der Nacht heftige Kämpfe im Süden, Westen und vor allem Osten der Stadt. Experten zweifeln immer häufiger daran, dass die Stadt noch gehalten werden kann. Manche sagen sogar, die USA hätten die Stadt längst aufgegeben.

So der US-Experten Jackson Janes von der Johns Hopkins University: "Kobanê wird ein Opfer sein", sagte er dem Sender "Deutschlandradio Kultur". Ein Signal dafür sei, dass die von den USA geführte Militärkoalition gegen die IS erst am kommenden Dienstag zu Beratungen über die Krise zusammenkomme.

Selbst ein drohendes Massaker an Zivilisten ähnlich wie in Srebrenica würde nicht dazu führen, dass die USA ihre Strategie änderten und Bodentruppen einsetzten, sagte Janes. In den USA herrsche nach dem Irak-Krieg die Haltung, keine Truppen zu entsenden, solange nicht die unmittelbaren Nachbarn in der Region aktiv werden. Und die Türkei, an deren Grenze Kobanê liegt, ist dazu noch nicht bereit. "Das ist ein schwerwiegendes Argument", sagte der Direktor des American Institute for Contemporary German Studies.

Kobanê ohne Bodentruppen verloren

Nach einer Eroberung von Kobanê durch die IS werde es gegenseitige Schuldzuweisungen geben, da die Türkei darauf bestehe, keinen alleinigen Vorstoß zu machen, und Washington zunächst die Kräfte in der Region am Zug sehe. "Wenn selbst die unmittelbaren Nachbarn nicht eingreifen, warum sollten wir das tun?", sei die vorherrschende Meinung in der US-Öffentlichkeit und im Kongress. Ohne Bodentruppen sieht Janes die Grenzstadt verloren: "Selbst eine Supermacht ist nicht in der Lage, so eine Krise zu lösen, ohne den Einsatz von Truppen. Es ist blamabel, es ist eine Katastrophe", aber momentan wohl "eine gegebene Tatsache (...), man nimmt das in Kauf". (APA, 11.10.2014)

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