Chiellini-Show bei Azzurri-Zittersieg

11. Oktober 2014, 13:58
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Abwehr-Recke erzielte alle Tore beim 2:1 gegen Aserbaidschan - Niederlande mühen sich gegen Kasachstan - Austrias Damari trifft für Israel - Türkei unterliegt Tschechien

Palermo/Amsterdam - Die Niederlande (Gruppe A) und Italien (Gruppe H) hatten am Freitagaben in der EM-Qualifikation deutlich mehr Mühe als erwartet. Die Niederländer machten erst in der Schlussphase den 3:1-Sieg nach 0:1-Rückstand gegen Kasachstan perfekt, die Italiener setzten sich ebenfalls nur aufgrund eines späten Tores sowie eines Doppelpacks von Giorgio Chiellini gegen Aserbaidschan mit 2:1 durch.

Ganz ohne Punkte steht dagegen die Türkei nach dem 1:2 (1:1) in Istanbul gegen Tschechien da. Die Tschechen haben damit ebenso wie der überraschende Tabellenführer Island (3:0 in Lettland) sechs Punkte auf dem Konto, drei mehr als die Niederlande auf Platz drei.

Niederländer hatten Mühe

In Amsterdam gingen die Kasachen mit der einzig nennenswerten Offensivaktion vor der Pause in Front. Renat Abdulin traf mit einem Flugkopfball via Unterkante der Latte zum 1:0 (17.). In der Defensive boten die Gäste eine ansprechende Leistung, ließen vorerst nur wenig Topmöglichkeiten der in Hälfte eins ziemlich ideenlosen Niederländer zu. Kapitän Robin van Persie setzte einen Kopfball knapp übers Tor (21.) und scheiterte mit einem Abschluss an Kasachstan-Goalie Aleksander Mokin (23.). "Wir sind durch ihren einzigen Corner in Rückstand geraten und dann haben sie eine Abwehrmauer errichtet", sagte BondscoachGuus Hiddink.

Nach dem Seitenwechsel nahm die Überlegenheit seiner Mannschaft aber von Minute zu Minute zu. Nach einer vergebenen Van-Persie-Topchance (58.) war es der eingewechselte Klaas Jan Huntelaar, der per Kopf ins lange Eck traf (62.). Als auch noch Baurschan Dsoltschijew nach rüdem Foul von hinten an Ibrahim Afellay ausgeschlossen wurde, war die endgültige Wende zugunsten des WM-Dritten nur noch eine Frage der Zeit. Während Robben einen Freistoß an die Latte (74.) setzte, brachte ein abgefälschter Afellay-Schuss (82.) die Erlösung. Van Persie erhöhte mit einem selbst herausgeholten und sicher verwandelten Elfmeter noch für das 3:1 (89.). "Es ist toll, mit so einem Spiel zurückzukehren", jubelte Affelay (Olympiakos Piräus) der nach fast zweijähriger verletzungsbedingter Absenz sein Team-Comeback gab.

Die Niederländer haben damit ihre jüngsten 18 Bewerbs-Heimspiele gewonnen und seit 35 Pflichtpartien im eigenen Land nicht mehr verloren. Nach dem Auftakt-1:2 in Tschechien waren es die ersten Punkte in der Gruppe A. Sie liegen damit nur auf Rang drei. Die Tschechen haben nach einem 2:1-Sieg in Istanbul bei der weiterhin punktlosen Türkei nach wie vor eine weiße Weste. Das gilt auch für Island, das sich in Lettland mit 3:0 durchsetzte.

"Natürlich haben wir nicht erwartet, beide Spiele zu verlieren. Wir müssen jetzt schnell wieder auf die Beine kommen und Punkte holen", forderte der türkische Teamchef Fatih Terim. Für die Niederlnder geht es schon am Montag weiter, mit Island wartet mit dem noch makellosen Tabellenführer (6 Punkte/6:0-Tore) aber eine schwierige Aufgabe.

Chiellini Mann des Spiels

Genauso wie die Niederländer schrammten auch die Italiener nur knapp an einer Blamage vorbei. Die Squadra Azzurra tat sich gegen den Abwehrriegel Aserbaidschans lange Zeit schwer, knackten diesen aber kurz vor der Pause erstmals. Nach einem Pirlo-Eckball war der aufgerückte Chiellini erstmals per Kopf erfolgreich (44.). Die Italiener dominierten in Palermo auch nach der Pause das Geschehen, Simone Zaza ließ aber mit einem sehenswerten Fallrückzieher (47.) sowie einem Schuss (68.) Chancen auf die Vorentscheidung aus.

Das rächte sich beinahe. Nach einem Eckball der Truppe von Trainer Berti Vogts beförderte Chiellini den Ball unglücklich ins eigene Tor (76.). Der knorrige Abwehrrecke besserte seinen Fehler aber fünf Minuten später wieder aus, war nach einer Giovinco-Flanke neuerlich per Kopf erfolgreich (81.).

"Zum Glück habe ich am Ende noch einmal ins richtige Tor getroffen. Ich wäre sehr traurig gewesen, hätten wir das Spiel nicht gewonnen", sagte der Matchwinner. Es sei das erwartet schwere Spiel gewesen. "Der Sieg gibt uns Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben, die auch sehr schwierig werden", meinte Chiellini.

Teamchef Antonio Conte war größtenteils zufrieden. "Ich hätte von den Jungs nicht mehr verlangen können, abgesehen von der Entschlossenheit vor dem Tor", resümierte der 45-Jährige.

Die Italiener führen die Gruppe H damit mit dem Punktemaximum an. Auch Kroatien hat nach einem 1:0-Erfolg in Bulgarien sechs Zähler auf dem Konto. Während der Partie kam es zu Ausschreitungen auf dem Rängen. Norwegen machte mit einem 3:0-Sieg auf Malta die ersten drei Punkte. Nicht zum Einsatz kam bei den Skandinaviern Top-Talent Martin Ödegaard, der mit 15 Jahren und 297 Tagen jüngster Spieler in der Geschichte der EM-Qualifikation hätte werden können.

Hitziges Sofia: "Sind nicht in einer Bibliothek"

Die Partie in Sofia dürfte für beide Mannschaften ein Nachspiel haben. Mitte der ersten Hälfte gab es eine mehrminütige Unterbrechung, da Fan-Gruppen beider Teams Feuerwerkskörper abgeschossen sowie bengalische Feuer gezündet und geworfen hatten. Bulgariens Verbands-Präsident Borislaw Mihajlow, der auch UEFA-Exekutiv-Komitee-Mitglied ist, sagte, dass ihn eine Strafe nicht überraschen würde.

Bulgariens Coach hofft auf Milde. "Ich liebe Fans, die die Mannschaft leidenschaftlich und mit Herz unterstützen, wir sind nicht in einer Bibliothek", so der Kommentar von Ljuboslaw Penew. "Rauchbomben, Bengalen, das Spiel war fünf Minuten unterbrochen und ist dann weitergegangen. Alles ist okay", ergänzte der 48-Jährige.

Damari trifft für Israel

In der Gruppe B feierte Belgien (3) im ausverkauften König-Baudouin-Stadion in Brüssel in ihrem ersten Spiel einen 6:0-Pflichtsieg gegen Andorra. Kevin de Bruyne gelang dabei innerhalb weniger Minuten ein Doppelpack (31., Foulelfmeter und 34.). Die weiteren Tore erzielten Chadli (38.), Origi (59.) und Mertens (65./68.) mit einem weitern Doppelschlag.

Die Tabellenführung mit vier Punkten hat Wales nach einem 0:0 gegen Bosnien-Herzegowina (1) inne. Bei den Bosniern spielte Anel Hadzic (Sturm Graz) im Mittelfeld durch.

Ein Erfolgserlebnis gab es für einen anderen Österreich-Legionär. Austria-Angreifer Omer Damari erzielte beim knappen 2:1-Erfolg in Nikosia gegen Zypern das zwischenzeitliche 1:0 und war bis zur 69. Minute im Einsatz. Israel hat genauso wie Zypern bisher drei Punkte gesammelt. (APA/sid/red - 11.10.2014)

ERGEBNISSE

Gruppe A:

  • Lettland - Island 0:3 (0:0)
    Riga, Tore: G. Sigurdsson (66.), A. Gunnarsson (77.), Gislason (90.). Gelb-Rote Karte: Rudnevs (55./Lettland/Foul)

  • Niederlande - Kasachstan 3:1 (0:1)
    Amsterdam, Tore: Huntelaar (62.), Afellay (82.), Van Persie (89./Elfmeter) bzw. Abdulin (17.). Rote Karte: Dsoltschijew (64./Kasachstan/Foul)

  • Türkei - Tschechien 1:2 (1:1)
    Istanbul, Tore: Umut Bulut (8.) bzw. Sivok (15.), Dockal (58.)

Gruppe B:

  • Belgien - Andorra 6:0 (3:0)
    Brüssel, Tore: De Bruyne (31./Elfmeter, 34.), Chadli (37.), Origi (59.), Mertens (65., 68.)

  • Zypern - Israel 1:2 (0:2 )
    Nikosia, Tore: Makridis (67.) bzw. Damari (38.), Ben Haim (45.). Israel: Damari (Austria) spielte bis zur 69. Minute.

  • Wales - Bosnien-Herzegowina 0:0
    Cardiff. Bosnien: Hadzic (Sturm Graz) spielte durch.

Gruppe H:

  • Bulgarien - Kroatien 0:1 (0:1 )
    Sofia, Tor: Bodurow (36./Eigentor)

  • Italien - Aserbaidschan 2:1 (1:0) Palermo,
    Tore: Chiellini (44., 82.) bzw. Chiellini (76./Eigentor)

  • Malta - Norwegen 0:3 (0:2 )
    Ta'Qali, Tore: Daehli (22.), King (26., 49.)
  • Mit zwei Toren und einem Eigentor der Entertainer des Tages: der Italiener Giorgio Chiellini.
    foto: apa/epa/fusco

    Mit zwei Toren und einem Eigentor der Entertainer des Tages: der Italiener Giorgio Chiellini.

  • Beim Team von Bondscoach-Wiedergänger Guus Hiddink (flankiert von seinen Assistenten Danny Blind und Ruud van Nistelrooy) läuft das Werkl noch reichlich unrund.
    foto: apa/epa/kraak

    Beim Team von Bondscoach-Wiedergänger Guus Hiddink (flankiert von seinen Assistenten Danny Blind und Ruud van Nistelrooy) läuft das Werkl noch reichlich unrund.

  • Ganz anders Island, derzeit mit die heißeste Nummer im europäischen Fußball. Diesmal brauste man in Riga über Lettland hinweg (Bild: Kolbeinn Sigthorsson). 3:0, sechs Punkte (6:0) Tore, Tabellenführung in Gruppe A.
    foto: apa/epa/kalnina

    Ganz anders Island, derzeit mit die heißeste Nummer im europäischen Fußball. Diesmal brauste man in Riga über Lettland hinweg (Bild: Kolbeinn Sigthorsson). 3:0, sechs Punkte (6:0) Tore, Tabellenführung in Gruppe A.

  • Treffsicher: der Israeli Omer Damari von Austria Wien.
    foto: apa/epa/christodoulou

    Treffsicher: der Israeli Omer Damari von Austria Wien.

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