"Äpfel, Birnen, Zwetschken, Bananen"

10. Oktober 2014, 18:22
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Ein neues Gesetz sollte die Verteilung öffentlicher Sportförderungen nachvollziehbarer machen. Herausgekommen ist ein Ranking, das die Gemüter erhitzt

Wien - Die vier Millionen Euro, um die es geht, sind ein Zehntel jener Summe, die dem heimischen Spitzensport jährlich zufließt. "Gott sei Dank nur ein Zehntel", sagt ein Vertreter eines jener Verbände, in denen seit kurzem große Aufregung herrscht. Verursacht wurde sie durch jenes Ranking, das die sogenannte Bundes-Sportkonferenz als Leistungsorgan des neu eingerichteten Bundes-Sportförderungsfonds erstellte.

Das zehnköpfige Gremium setzt sich aus Vertretern des Sportministeriums und der Bundes-Sportorganisation (BSO) zusammen. Ihm gehören u.a. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, ÖFB-Präsident Leo Windtner und Ralph Vallon, Chef des Leichtathletikverbands (ÖLV), an. Vorsitzende der Bundes-Sportkonferenz ist die Ex-ÖVP-Nationalratsabgeordnete Astrid Stadler, Vizepräsidentin der Sportunion und Präsidentin des Bob- und Skeletonverbands, der als Neunter des Rankings immerhin 205.300 Euro erhält.

Weitreichende Folgen

Den Kritikern ist gemeinsam, dass sie ungenannt bleiben wollen. Einer sagt: "Wenn du dich aufregst, ziehen sie dir noch eine drüber." 25 der 60 Verbände werden bedacht, der ÖSV lukriert 429.300 Euro, Zweiter und Dritter wurden eher überraschend der Volleyball- und der Wettkletterverband. Auffällig ist, dass einige olympische Sportarten, vor allem Teamsportarten, schlecht aussteigen. So findet sich Eishockey an 19. Stelle, Handball (37.) geht leer aus. Auch Turnen (50.), Pferdesport (51.), Fechten (53.) und Basketball (57.) sind abgeschlagen.

Von "enormem Imageschaden" ist da und dort die Rede. "So ein Ranking hat weitreichende Folgen. Das kriegen die Aktiven, das kriegen die Sponsoren mit. Bei uns laufen die Telefone heiß, alle fragen sich, wieso wir so schlecht gereiht wurden."

Respekt und Vergleich

Seitens der Bundes-Sportkonferenz verweist man auf "objektive und transparente Kriterien". Tatsächlich flossen viele Ergebnisse und Daten ein, zusammengefasst hat Infostrada Sports, weltweit führender Dienstleister in Sachen Sportdaten. Auch die Relevanz der Sportarten sollte gemessen werden, über Fragen wie: Olympisch oder nicht? Wieviele Mitglieder hat der internationale Verband? Wieviele Nationen nahmen an der jüngsten WM teil? Wieviele Vereine sind Mitglied im österreichischen Verband? Wie stark ist die Medienpräsenz?

Die Medienpräsenz ergab sich übrigens allein aus Übertragungen auf ORF1 und ORF2. Für Eishockey ist es quasi Pech, dass die Liga auf ServusTV läuft. Laut einem Verbandsvertreter wurden "Äpfel, Birnen, Zwetschken und Bananen in einen Topf geworfen. Denn wie, bei allem Respekt, will ich Wettklettern mit einer olympischen Teamsportart vergleichen?" (Fritz Neumann, DER STANDARD, 11./12.10.2014)

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