Nationalisten im Londoner Unterhaus: Schluss mit lustig

Kommentar10. Oktober 2014, 17:58
39 Postings

Dass nach dem ersehnten EU-Austritt Milch und Honig fließen, glauben nur die fanatischsten Nationalisten

Freundliche Beachtung in den Medien, Respektserfolge bei Kommunalwahlen, bei der Europawahl im Mai sogar der erste Platz vor Tories und Labour - all dies waren für die EU-feindliche Ukip wichtige Etappen auf dem Weg zu einer landesweiten Partei in Großbritannien. Jetzt haben die Wähler zum ersten Mal einen Kandidaten der Nationalpopulisten ins Unterhaus katapultiert. Erst damit ist Ukip der Durchbruch gelungen, in einem Land, dessen Politik sich noch immer in Westminster konzentriert.

Parteichef Nigel Farage hat also allen Grund zu triumphieren. Schon träumt er von zukünftigen Deals als Zünglein an der Waage, sieht sich gar als Europaminister den Rückzug der Insel aus dem Brüsseler Klub organisieren.

Das erste Unterhausmandat bringt der Partei nicht nur staatliches Geld und größere Aufmerksamkeit. Wähler und Medien werden auch genauer wissen wollen, woraus das Ukip-Programm eigentlich besteht. Wer soll die versprochenen Steuersenkungen bezahlen? Ist der Abschied von der Weltbühne wirklich im nationalen Interesse? Dass nach dem ersehnten EU-Austritt Milch und Honig fließen, glauben nur die fanatischsten Nationalisten.

Zu denen zählt der neue Abgeordnete Douglas Carswell sicher nicht. Er gewann, anders als die Europaparlamentarier, sein Mandat nicht von Farages Gnaden. Damit erwächst dem begnadeten Alleinunterhalter Farage zum ersten Mal ernsthafte Konkurrenz in der Partei. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 11.10.2014)

Share if you care.