Netzsperren: Blockade statt Innovation

Kommentar10. Oktober 2014, 17:55
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Die Rechteinhaber wollen an ihrer protektionistischen Strategie festhalten

Seit über einer Woche können zahlreiche österreichische Internetnutzer nicht mehr auf die Websites kinox.to und movie4k.to zugreifen, die laut Filmbranche massive Urheberrechtsverletzungen begehen sollen. Zumindest theoretisch: Denn die technische Umsetzung der Sperre ist oberflächlich. Viele Nutzer wissen, wie man sie umgeht; weniger Versierte können es rasch herausfinden. Das war den Rechteinhabern natürlich schon im Vorhinein klar. Umso unverständlicher bleibt, warum sie so viel Energie in die Einführung der Sperren gesteckt haben.

Sie hätten ihre Ressourcen besser für die Suche nach zeitgemäßen Vertriebswegen verwendet. Denn Nutzer weichen nicht nur auf halb- bis illegale Angebote aus, weil sie Geld sparen wollen, vielmehr entsprechen die klassischen Vertriebswege nicht mehr den Nutzungsgewohnheiten. Wer aktuelle Filme sehen mag, muss ins Kino sehen. Folgen von US-Serien brauchen Monate, um den Sprung über den Atlantik zu schaffen. Außer eben via Tauschbörsen. Natürlich gibt es erste Ansätze: Pay-TV-Sender Sky strahlt manche Serien schon eine Woche nach US-Start aus. Auch Netflix ist eine Alternative, das Angebot aber begrenzt.

Die Rechteinhaber wollen aber an ihrer protektionistischen Strategie festhalten. Schon ist die Rede von tiefergehenden Sperren. Das ist nicht nur unbedacht, sondern ein großer Schritt in Richtung Internetzensur. Sie sollten ihre starre Haltung aufgeben - und auf die Nutzer hören. (Fabian Schmid, DER STANDARD, 11.10.2014)

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