Russland: Der Preis der Krim

Kommentar10. Oktober 2014, 17:51
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Putin muss sich langsam Sorgen über den Haushalt machen

Die Sanktionen gegen Russland und die von Moskau verhängten Gegenmaßnahmen zeigen zunehmend Wirkung. Kapitalabfluss, Rubelabwertung, drohende Rezession und knappe Kassen der Betriebe setzen die Volkswirtschaft unter Druck. Die Begeisterung in der Bevölkerung war schon größer. Sie spürt die auf acht Prozent gestiegene Inflation. Der Währungsverfall wird die Teuerung weiter anheizen, die Konjunkturflaute auf die Beschäftigung drücken.

Präsident Wladimir Putin muss sich langsam Sorgen über den Haushalt machen, auch wenn das Defizit vorerst niedrig ist und die Schulden vernachlässigbar sind. Das Problem sind die Verbindlichkeiten der Staatsbetriebe im Ausland, für deren Bedienung wegen der Abwertung mehr Rubel aufzubringen sind - frische Mittel in Fremdwährung sind wegen der Sanktionen ja kaum zu bekommen. Für den Kreml bedeutet das nichts Gutes: Immer mehr Gelder fließen in marode Staatsbetriebe, die Reserven schrumpfen wegen anhaltender Interventionen zur Stützung der Währung, und der sinkende Ölpreis lässt die größte Budget-Einnahmenquelle nur spärlich sprudeln.

Putin wird das nicht zu Fall bringen - zu fest sitzt der Mann im Sattel. Doch die Bevölkerung wird sich angesichts der Tristesse doch die Frage stellen, ob der wirtschaftliche Niedergang des Landes nicht ein zu hoher Preis für den Gewinn der Halbinsel Krim war. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 11.10.2014)

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