Stadt Salzburg legt Bettler-Benimmregeln vor

10. Oktober 2014, 17:41
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Bedürftige auf der Straße: Aus für Container, Notunterkunft noch nicht eröffnet

Salzburg - Keine Behinderungen vortäuschen, nicht in oder vor Geschäften betteln und den Müll in den Mistkübel werfen - dies sind nur Beispiele von insgesamt 17 Regeln, die die Stadt Salzburg in einen Bettlerkodex gegossen hat.

Die Infobroschüre im Hosentaschenformat soll die bestehenden gesetzlichen Regelungen auch der Zielgruppe verständlich machen, sagt Sozialstadträtin Anja Hagenauer (SP). Jede Regel ist in den Sprachen Deutsch, Rumänisch, Ungarisch, Bulgarisch und Romanes beschrieben, Illustrationen sollen sie auch Analphabeten verdeutlichen. Ab sofort werden die Benimmhandbücher vom Ordnungsamt, dem Altstadtverband und der Polizei an die rund 100 Bettler in der Stadt verteilt. 3000 Stück wurden für die Erstauflage produziert. Der Leitfaden ist nicht nur für Bettler gedacht, auch Bürger werden in einem Abschnitt angesprochen und ihnen der richtige Umgang mit Bettlern erläutert.

Neben dieser ordnungspolitischen Maßnahme gehe aber auch bei den sozialpolitischen Vorhaben etwas voran, erläutert Hagenauer: Die von Neos-Gemeinderat Sebastian Huber vorangetriebene medizinische Basisversorgung für Bettler und Bedürftige stehe vor der Finalisierung. Zudem soll eine Schlichtungsstelle für Beschwerden von Bürgern eingerichtet werden. Und nächste Woche soll das angekündigte Winternotquartier für Bettler vorgestellt werden.

Keine Unterkunft für Männer

Doch die als Übergangslösung aufgestellten Container auf dem Park-and-Ride-Platz in Salzburg Süd müssen schon vorher geräumt werden. Rund drei Wochen lang wird es dann für bettelnde Männer keine Notunterkunft in Salzburg geben, Frauen können in der Arche Süd unterkommen. Die Container würden den Zugang zum Salzsilo, das für den Winterdienst vorbereitet werden muss, blockieren, begründet die Sozialstadträtin. Wo die Bettler sonst unterkommen sollen? "Es wird den Menschen nahe gelegt nach Hause zu reisen", sagt Hagenauer.

Bürgerlisten-Gemeinderätin Ingeborg Haller ist gegen die frühzeitige Räumung des Provisoriums: "Die Container dürfen erst weg, wenn ein Notquartier zur Verfügung steht." Das könne doch kein Problem für die Stadt sein, kritisiert Haller. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 11.10.2014)

  • Ein Beispiel aus dem fünfsprachigen Verhaltenskodex.
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    Ein Beispiel aus dem fünfsprachigen Verhaltenskodex.

  • Die gesamte Infobroschüre mit den Regeln für Bettler als PDF

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