44 ehemalige Essl-Schützlinge begehren 75 Millionen Euro

10. Oktober 2014, 17:27
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Reges Interesse an Kunstauktion in London am Montag

London/Wien - An den Umsätzen im Segment zeitgenössischer Kunst mag London gegenüber New York und Peking zuletzt an Terrain verloren haben, im Herbst bleibt die Metropole an der Themse für den Kunstmarkt unbestritten das Zentrum des Geschehens. Insbesondere der Frieze-Messe wegen, die heuer zum zwölften Mal stattfindet (14.-18.10.).

Zeitgleich stehen bei den internationalen Auktionsgiganten Versteigerungen auf dem Programm, heuer übrigens in einem Wertumfang, der seinen Vergleich sucht: Auf zumindest 254 Millionen Euro belaufen sich im Vorfeld die Mindesterwartungen. Würde es mehr, nehme es auch nicht wunder. Die im anglikanischen Raum als "Post War & Contemporary Art" geläufige Sparte wächst seit fünf Jahren am stärksten (250 Prozent).

Im Herbst gibt es für Besitzer international gefragter Kunstwerke keinen besseren Termin zur Verwertung, als rund um die Frieze. Davon profitiert auch die SE-Sammlungs GmbH namens ihrer Eigner Hans Peter Haselsteiner (60 Prozent) und Karlheinz Essl (40 Prozent). Zur Rekapitalisierung der Rettung der Sammlung Essl beauftragte man Christie's mit der Versteigerung von 44 Kunstwerken. Zuvor hatte auch Sotheby's die internationalen Kunstwerke der Sammlung Essl geschätzt. Allerdings hatte man sich an Essls Wunsch einer konservativen, sprich tendenziell niedrigeren Bewertung orientiert, die günstigere Konditionen für eine Rettung versprach. Sotheby's wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Christie's beziffert die Erwartungen für Montagabend mit bis zu 75 Millionen Euro. Im Zuge der zweiwöchigen Präsentation bei Christie' s-Mayfair, verzeichnete man "lots of traffic" - genauer knapp 1000 Besucher. Das sei schon recht viel. Ergänzend sei ein Gastspiel von sieben Werken (Baselitz, Richter, Kippenberger, Polke) Anfang Oktober in Köln auf reges lokales Interesse gestoßen.

Schweigen bei Christie's

Wie viele Zustandsberichte seit Veröffentlichung des Kataloges von Interessenten angefragt wurden? Wie viele Anmeldungen für Telefongebote vorliegen? Und, da Tickets für die Teilnahme an der Auktion im Saal Voraussetzung sind - wie viele Reservierungen liegen vor? Christie's hüllt sich in Schweigen. Auf Anfrage erfährt man lediglich, das Interesse sei groß. Ob es groß genug ist, um die vom Auktionshaus ungeachtet des Verlaufs vorab garantierten 50 Millionen Euro einzuspielen, entscheiden die Bieter. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD, 11./12.10.2014)

  • Kommt bei Christie's unter den Hammer: ein Werk von Georg Baselitz aus der Sammlung Essl.
    foto: christie’s

    Kommt bei Christie's unter den Hammer: ein Werk von Georg Baselitz aus der Sammlung Essl.

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