Putin bezahlt Krimfolgen mit Kapitalflucht und Rubelabsturz

11. Oktober 2014, 11:00
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Insbesondere die im Ausland verschuldeten Unternehmen kommen wegen des Niedergangs des Rubels unter Druck

Moskau/Wien - Sanktionen und sinkender Ölpreis bringen Russland immer mehr aus der Balance. Trotz heftiger Interventionen der Notenbank fällt der Rubel von Rekord- zu Rekordtief. Der Währungsverfall wiederum befeuert die ohnehin bereits schon auf acht Prozent gestiegene Inflation und verteuert den Schuldendienst im Ausland.

Da immer mehr Staatsbetriebe wie der Ölkonzern Rosneft auf Hilfsgelder des Kremls angewiesen sind, dürfte die Flaute bald den als solid geltenden Staatshaushalt erreichen.

In der Kreide

Der Staatshaushalt ist zwar nur im Volumen von 56 Mrd. Dollar gegenüber dem Ausland verschuldet, zudem laufen in nächster Zeit keine größeren Finanzierungen aus. Das gilt aber nicht für die gesamte Volkswirtschaft, die international (Stand Ende Juni) mit 730 Milliarden Dollar in der Kreide steht.

Die heuer bereits 18 Prozent ausmachende Abwertung des Rubels und die von den Sanktionen ausgehenden Schwierigkeiten der Refinanzierung für russische Banken und Staatsbetriebe bringt die Betriebe des Landes ordentlich ins Schwitzen.

Devisen schrumpfen

Die Devisenreserven der Notenbank sind zwar mit 457 Milliarden Dollar üppig, sie schrumpften aber heuer um rund 50 Milliarden Dollar. Und wenn man die Reserven in Relation zu den gesamten Auslandsschulden betrachtet, erscheinen sie auch gar nicht mehr so prall.

Zumal sich der Kapitalabfluss aus Russland verdoppelt hat: In den ersten neun Monaten 2014 wurden laut Zentralbank 85,2 Milliarden Dollar abgezogen. Die Zentralbank rechnet mit einem negativen Gesamtsaldo von 90 Milliarden Dollar in diesem Jahr, während das Wirtschaftsministerium von 100 Milliarden Dollar ausgeht.

Die Prognose der Zentralbank scheint optimistisch. Die Sanktionen schrecken viele Investoren ab. Die Direktinvestitionen im Land sind um 60 Prozent gefallen. Auf frisches Geld kann Moskau daher nicht hoffen.

Geld wandert ab

Auch im eigenen Land lahmt die Konjunktur. Die wirtschaftliche Schwäche ist inzwischen bei den Verbrauchern angekommen, von größeren Käufen sehen viele Russen derzeit ab. Wegen der Rubelschwäche wollen die meisten aber ihr Geld auch nicht anlegen. Allein bei der Sberbank, der größten Sparkasse des Landes, hoben die Bürger im September 34 Milliarden Rubel (680 Millionen Euro) ab.

Russische Unternehmer und Konzerne, darunter auch staatliche, reagieren auf die Rubelschwäche mit dem Versuch, Finanzreserven außer Landes zu parken. Die negative Tendenz bleibt dem russischen Geldmarkt also erhalten. "Der Kapitalabfluss kann sich im vierten Quartal noch beschleunigen", schätzen die Analysten der Investmentbank Uralsib.

Raiffeisen finanziert sich lokal

Auslandsbanken wie Raiffeisen Bank International oder Société Générale gehen ihre eigenen Wege: Sie finanzieren sich stärker am russischen Markt über Rubel-Anleihen, um das Risiko der Mutterbank zu reduzieren. Dafür werden weit höhere Kosten in Kauf genommen, ist doch auf die lokalen Bonds mehr als das Doppelte an Zinsen zu zahlen.

Rosneft marschiert in eine andere Richtung: Der staatliche Ölkonzern hat namhafte Anwaltskanzleien engagiert, die vor britischen Gerichten gegen die westlichen Sanktionen klagen sollen. Rosneft geht es dabei freilich weniger um die Verbesserung des Investitionsklimas in Russland insgesamt als um die Lösung eigener Probleme.

Rosneft mit Problemen

Das Unternehmen, das heuer erstmals seit Jahren einen Förderrückgang konstatieren musste, fürchtet durch die Beschränkung beim Einkauf von Fördertechnologien Schwierigkeiten bei der Erschließung seiner Lagerstätten.

Tatsächlich hat im September bereits Rosnefts Partner ExxonMobil als Reaktion auf die Sanktionen die weitere Zusammenarbeit in der Arktis vorerst eingefroren. (André Ballin, Andreas Schnauder, DER STANDARD, 11.10.2014)

  • Der Rubel wird immer weniger wert
    foto: epa / yuri kochetko

    Der Rubel wird immer weniger wert

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