Ebola: Britische AUA-Passagiere in London aufgehalten

10. Oktober 2014, 22:24
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Insgesamt 14 Menschen in Spanien isoliert - Brite in Mazedonien tot, Hotel abgeriegelt - Verdachtsfall in Frankreich

Skopje/Prag/Freetown - In Mazedonien ist am Donnerstag ein Brite mit Verdacht auf Ebola gestorben. Das nährte die Sorge vor einer Ausbreitung der in Westafrika grassierenden Seuche auch in Europa.

Zwei britische AUA-Passagiere, die mit dem Flug OS455 Donnerstagabend von Wien nach London-Heathrow geflogen waren, durften dort erst mit Verspätung aussteigen. Sie waren von Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, über Wien in die britische Hauptstadt gereist.

Ein AUA-Sprecher bestätigte Freitagabend gegenüber der APA einen dementsprechenden Bericht der "Kronen Zeitung". Die anderen Passagiere hatten das Flugzeug am Heathrow-Airport ungehindert verlassen können. Bei den beiden Briten wurde ein mögliches Kontaktrisiko mit dem Verstorbenen in Skopje abgeklärt. Es war eindeutig negativ.

Flugzeug gestoppt

In den USA haben die Behörden am Freitag ein Verkehrsflugzeug wegen Ebola-Verdachts auf dem Rollfeld gestoppt. Die Maschine sei auf dem internationalen Flughafen McCarran in Las Vegas unter Quarantäne gestellt worden, weil zwei Personen möglicherweise Symptome der Krankheit gezeigt hätten, sagte eine Sprecherin des örtlichen Krankenhauses.

Unter Aufsicht

Das serbische Gesundheitsministerium teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass in Serbien aus Sicherheitsgründen bisher 708 Personen unter Aufsicht gestellt worden seien.

92 von ihnen seien nach Serbien aus den von Ebola betroffenen Regionen eingereist und wurden aus Sicherheitsgründen unter Beobachtung gestellt. Angaben zu den Zeiträumen, in denen die Personen kontrolliert werden, lagen zuerst nicht vor. Sie müssen sich regelmäßig bei der Gesundheitsbehörde melden, in erster Linie bei Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Fieber.

Pflegerin in Lebensgefahr

Wegen der Gefährdung durch die Seuche sind in der spanischen Hauptstadt Madrid sieben weitere Menschen unter Quarantäne gestellt worden, sodass sich deren Zahl in der Nacht zum Freitag auf 14 erhöht hat. Die neuesten Vorsorge-Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit dem Fall der 44-jährigen Krankenpflegerin, die selbst in Lebensgefahr schwebt, teilte die Klinik Carlos III. mit.

Bei der Behandlung der Pflegehelferin wurde am Freitag in Madrid erstmals das Medikament "ZMapp" eingesetzt. Eine Lieferung des experimentellen Mittels, dessen Vorräte als weitgehend erschöpft galten, sei aus Belgien gekommen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf Krankenhaussprecher.

Das Hotel in der mazedonischen Hauptstadt Skopje, in dem sich der Mann aufgehalten habe, sei abgeriegelt worden, teilten die Behörden am Abend mit. Ein zweiter britischer Staatsbürger und Hotelangestellte müssten im Gebäude bleiben. Jovanka Kostovska von der Abteilung für Infektionskrankheiten im Gesundheitsministerium sagte, der verstorbene Mann sei am 2. Oktober aus Großbritannien in Skopje angekommen. Am Donnerstag sei er mit Fieber, Erbrechen und inneren Blutungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sein Zustand habe sich rapide verschlechtert, am Nachmittag sei er gestorben.

Verdachtsfälle in Tschechien und Frankreich

In Prag wurde ein 56-jähriger Tscheche, der sich unlängst in Liberia aufgehalten hatte, wegen Ebola-Symptomen im Krankenhaus isoliert. Der Verdacht hat sich jedoch nicht bestätigt.

Auch in Frankreich wurde kurzfristig ein möglicher Ebola-Fall geprüft. Am Freitagabend wurde allerdings Entwarnung gegeben.

Patient in Leipzig "stabil"

Der Zustand des Ebola-Patienten im Leipziger Klinikum St. Georg ist unverändert. Es gelte der Stand vom Vortag, hieß es am Freitagmorgen. Weitere Angaben machte die Klinik nicht. Die Ärzte hatten den Zustand des 56 Jahre alten UN-Mitarbeiters bei dessen Eintreffen als "hochgradig kritisch, wenngleich stabil" bezeichnet.

Die EU erwägt als Reaktion auf die Seuche verschärfte Kontrollen an Flughäfen für Reisende aus Westafrika. Großbritannien kündigte an, an den beiden größten Flughäfen in London, Heathrow und Gatwick, würden Einreisende auf Ebola getestet. Betroffen sei auch der Eurostar, die Zugverbindung zwischen Großbritannien und Frankreich.

Die westafrikanischen Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia am stärksten von Ebola betroffen. An der Epidemie dort sind mehr als 3.800 Menschen gestorben.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat am Freitag von Rückschlägen in Guinea berichtet, wo der bisher folgenschwerste Ausbrauch der Geschichte im Dezember 2013 begonnen hatte. Vor einigen Wochen habe es zunächst Anzeichen für einen langsamen Rückgang der Neuinfektionen gegeben. Doch derzeit erlebe die Hauptstadt Conakry wieder einen starken Anstieg von Fällen, so die Organisation. (APA/Reuters, 10.10.2014)

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