Ein Regisseur namens Hektik

Infografik10. Oktober 2014, 13:12
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Die Pässe des ÖFB-Teams gegen die Republik Moldau verursachten mehr Stress in den eigenen als Gefahr in den gegnerischen Reihen

Die Analyse der Passstrukturen der Nationalmannschaft im Spiel gegen die Auswahl der Republik Moldau verweist auf die Diskrepanz zwischen faktischem Ballbesitz und dem Vermögen zur tatsächlichen Spielgestaltung. Das Passnetzwerk erscheint auf den ersten Blick robust und facettenreich.

In der ersten Viertelstunde gelang es den Österreichern auch, den Ball geduldig und präzise so lange zirkulieren zu lassen, bis sich Lücken in der moldauischen Defensive auftaten. Ansatzweise zelebrierte das Team von Trainer Marcel Koller die vertikale Option über den scharfen Pass aus dem Zentrum (David Alaba bzw. Julian Baumgartlinger) an den Strafraum (Zlatko Junuzovic, Marko Arnautovic, Marcel Sabitzer). Nach dem Ausgleichstreffer befiel die Mannschaft jedoch eine kollektive Nervenschwäche, die sich in immer zerfahreneren Passketten niederschlug.

Gelang es anfangs noch, eine hochfrequente Ballzirkulation zu entwickeln, versickerte der Fluss vor allem in der zweiten Hälfte oft quasi direkt an der Quelle. Auch das zweite Tor konnte nicht verhindern, dass ein Regisseur namens Hektik das Kommando übernahm und viele Aktionen öfter in die gegenseitige Frustration als in die kollektive Stabilisierung mündeten. Die Pässe verursachten mehr Stress in den eigenen als Gefahr in den gegnerischen Reihen.

In gewisser Weise mühten sich die Österreicher sternförmig zum glanzlosen Sieg, und die unübersehbare Drehscheibe im Aufbauspiel markierte einmal mehr Alaba, der sich oft weit zurückfallen ließ, um das Spiel aus der Tiefe der Innenverteidigung heraus zu dirigieren. Aber ebenso wie Baumgartlinger und Junuzovic verlor auch der Star des FC_Bayern mit Fortdauer der Partie an Präzision und Spieltempo.

Auch die Flügelstürmer endeten oft im Sackgassenmodus, allen voran Arnautovic, der das Spiel nach vorne schwerenöterisch verschleppte. (Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair, Wolfgang Streibl und Agnes Chorherr/Grafik: Markus Hametner, DER STANDARD, 10.10.2014)

Die Analytiker

FASresearch war bei den WM-Endrunden 2006, 2010 und 2014 sowie bei der EM 2008 und der EM 2012 im Einsatz und analysiert auch Österreich Länderspiele exklusiv für den STANDARD.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden codiert, der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Summen angekommener und abgegebener Pässe ergeben die Kreisgrößen. Die Aktivitätskurve markiert die Anzahl der Pässe im Spielverlauf.

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