Hoffnung gegen die Barbarei

Kommentar10. Oktober 2014, 13:56
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Der Friedensnobelpreis für Malala zielt auf die westliche Hilflosigkeit gegen radikale Islamisten

Nun also auch noch der Friedensnobelpreis. Malala Yousafzai, die inzwischen 17-jährige Kinderrechtsaktivistin aus Pakistan, ist in den vergangenen Jahren mit Friedens- und Menschenrechtspreisen überhäuft worden, vor allem nachdem die radikalislamischen Taliban vor zwei Jahren einen Anschlag auf sie verübt hatten. Sie hat vor der UNO gesprochen, ist von Politikern wie US-Präsident Barack Obama, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und Queen Elizabeth empfangen worden und konnte sich in diesem Jahr zu den "100 einflussreichsten Menschen" des "Time"-Magazins zählen, Kategorie: "Ikone".

Keine Frage: Mit der Entscheidung für sie und den vergleichsweise unbekannten indischen Kinderrechtler Kailash Satyarthi lenkt das Nobelpreiskomitee die Aufmerksamkeit auf ein Thema, das angesichts der aktuellen Krisen wenig Beachtung findet. Wie es um die Kinderrechte weltweit bestellt ist, lässt sich in einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks UNICEF vom Juni nachlesen. Demnach sterben 6,6 Millionen Kinder jährlich an vermeidbaren Krankheiten, 13,5 Millionen Mädchen werden jedes Jahr noch minderjährig zwangsverheiratet, und 168 Millionen Kinder arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen, fast die Hälfte davon sind im Vorschulalter – um nur eine Auswahl der Daten zu nennen.

Ihr Engagement für das Recht auf Bildung und den Schutz von Kindern darf man den beiden Preisträgern durchaus abnehmen. Gleichzeitig ist aber gerade Malala auch ein Produkt westlicher Medien; der Blog für den britischen Rundfunksender BBC, den sie mit elf Jahren begann, hat sie zu dem gemacht, was sie heute ist. Ob es richtig ist, einem Kind eine solche Rolle aufzubürden, darf durchaus hinterfragt werden.

Neben den Kinderrechten dürfte der Preis für Malala aber auch noch auf etwas ganz anderes zielen: Die westliche Politik steht dem Wüten radikaler Islamisten derzeit weitgehend hilflos gegenüber. Malalas Geschichte – ein Kind, das sich den Taliban entgegenstellt – symbolisiert so auch die Hoffnung, der Barbarei etwas entgegensetzen zu können. Sodass letztendlich die universellen Menschenrechte triumphieren. (Julia Raabe, derStandard.at, 10.10.2014)

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