IWF sucht Rezepte für globalen Aufschwung

10. Oktober 2014, 12:59
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Die Weltwirtschaft hat mehr Wachstum nötig, IWF-Chefin Lagarde ermutigte Staaten mit lahmender Konjunktur zu mehr Infrastrukturausgaben

Washington/New York - Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank dieses Wochenende steht die fragile Erholung der Weltwirtschaft im Zentrum der Diskussionen. Noch hat die globale Konjunktur nach der Finanzkrise nicht Fahrt aufgenommen. Wachstumsfördernde Strukturreformen und Budgetdisziplin sind trotz expansiver Geldpolitik gefragt.

Dass die Weltwirtschaft mehr Wachstum nötig hat, machte der IWF mit seinem am Dienstag veröffentlichten Wirtschaftsausblick klar: Der Fonds musste seine Wachstumsprognose für die globale Konjunktur erneut senken. die weltweit lahmende Konjunktur ist damit eines der wichtigsten Themen.

Auch die Wirtschaft in der Eurozone macht dem Fonds Sorgen. IWF-Chefin Christine Lagarde ermutigte Staaten mit lahmender Konjunktur zu mehr Infrastrukturausgaben. "Das kann ein guter Weg sein, um kurzfristig das Wachstum zu unterstützen", sagte sie am Donnerstag.

Für und Wider staatlicher Konjunkturprogramme

Sollen also Staaten mehr investieren, um gegenzusteuern? Dafür spricht, dass mehr öffentliches Geld etwa für die Sanierung maroder Straßen, den Ausbau moderner Datennetze oder die Energiewende der Bauwirtschaft und dem Handwerk Aufträge verschaffen würden. Das sichert auch Arbeitsplätze. Die Staaten könnten zudem Steuern und Abgaben senken, damit Haushalte und Unternehmen mehr konsumieren und investieren. Idealerweise würde ein staatlicher Investitionsschub zur Initialzündung für die gesamte Konjunktur und bringt den Wachstumsmotor in Schwung.

Doch auch Gegenargumente gibt es: Ein Mehr an staatlichen Investitionen ist keine Gewähr für dauerhaftes Wachstum. Kritiker sprechen von "konjunkturellen Strohfeuern". Daneben gilt: Gibt der Staat an einer Stelle mehr Geld aus, muss er dies an anderer Stelle wieder reinholen. Staatliche Konjunkturprogramme können sogar nach hinten losgehen: Die Aussicht auf einen Anstieg des Staatsdefizits könnte die Kreditzinsen steigen lassen und so private Investitionen vermindern.

Politische Krisen machen Sorgen

Große Schwierigkeiten sieht der internationale Kreditgeber unter anderem wegen politischer Krisen wie in der Ukraine oder im Nahen Osten. Neben der wirtschaftlichen Lage werden auch die sich hinziehenden Reformen der beiden Organisationen Anlass zu Diskussionen geben. Der Präsident der Weltbank, Jim Yong Kim, hat den Unmut der Belegschaft auf sich gezogen. Mitarbeiter klagen, die Reformpläne für die Institution seien undurchsichtig.

Die Reform der Schwesterorganisation der Weltbank, des IWF, wird durch den amerikanischen Kongress blockiert. Die USA haben als größer Anteilseigner vier Mal so viel Stimmrechte wie etwa China, dass wirtschaftlich zu den USA aufgeschlossen hat. Zudem besitzen die USA ein Vetorecht bei den Entscheidungen. Eine Reform des Fonds zugunsten von Staaten mit aufstrebender Wirtschaft wurde 2010 beschlossen, von den USA aber noch nicht ratifiziert. (APA, 10.10.2014)

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