Taugt Sex zum Abnehmen?

Blog13. Oktober 2014, 15:45
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Nur Evidenz zählt: Wie viel Kalorien werden beim Sex verbrannt? - Wissenschafter und EbM-Experte Gerald Gartlehner nimmt Studien dazu unter die Lupe

Haben Sie davon gelesen, dass Pornos zu einem Verlust an grauen Gehirnzellen führen? Dass Selbstbefriedigung Männer vor Prostatakrebs schützt oder dass Sex doch nicht so gut zum Abnehmen taugt wie Sport?

Studien über Sex

Die Welt der Wissenschaft schafft nur selten den Sprung an die Aufmerksamkeitsspitze, Ausnahmen sind Studien zu Sex. Vorausgesetzt, sie haben eine einfach zu fassende Botschaft - unabhängig davon, ob die Studie jetzt gut oder schlecht ist.

Entsprechend existieren beinahe so viele Sexmythen wie Diättipps, schließlich wird alles, was sich in diesem Bereich "Studie" nennt, dankend veröffentlicht. Gerne auch beides in Kombination: In unschöner Regelmäßigkeit tauchen Artikel auf, die sich der kalorienverbrennenden Funktion von Sex zuwenden.

Doch vielleicht hat es damit ja bald ein Ende, denn eine Studie hat herausgefunden, dass Sex doch nicht so gut ist wie Sport - also zumindest nicht, wenn Abnehmen das Ziel ist. Dafür wurde der Kalorienverbrauch von 42 Männern und Frauen mit einem Armband gemessen, sowohl beim Sex als auch bei einem 30-minütigen Laufbandtraining.

Hoher Kalorienverbrauch?

Bei einem Sexualakt verbrauchen sowohl Männer als auch Frauen im Durchschnitt deutlich weniger Kalorien als bei einem halbstündigen Laufbandtraining. Aber zumindest die Wirkung eines leichten Trainings haben in der Studie beide Geschlechter erreicht. Laut Studienautoren wäre die Leistung ungefähr mit einem gemütlichen Spaziergang zu vergleichen.

Ein Blick auf die Detailergebnisse relativiert die Aussage: Manche Männer haben es geschafft, beim Sex mehr Kalorien zu verbrennen als beim Laufbandtraining - und mit etwas Fantasie dürfte das auch Frauen möglich sein. Wer also immer noch lieber mit Sex als mit Ausdauersport abnehmen möchte, hat im Lichte dieser Studien zwei Möglichkeiten: sehr zurückhaltendes Ausdauertraining oder sehr intensiven Sex. (Gerald Gartlehner, derStandard.at, 10.10.2014)

Gerald Gartlehner ist Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin (EbM) und Klinische Epidemiologie der Donau-Uni Krems, Direktor der österreichischen Cochrane-Zweigstelle und Vize-Direktor des Research Triangle Institute – University of North Carolina Evidence-based Practice Center, USA. Er leitet die Plattform medizin-transparent.at und nimmt ab sofort auf derStandard.at regelmäßig aktuelle Studien unter die Lupe.

  • EbM-Experte Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems will Beweise: Was stimmt, was stimmt nicht in medizinischen Studien?
    foto: georg h. jeitler / donau-universität krems

    EbM-Experte Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems will Beweise: Was stimmt, was stimmt nicht in medizinischen Studien?

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