Eine Wolke und Vertrauen als neue Währung

10. Oktober 2014, 17:58
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Die Galerie Zimmermann Kratochwill zeigt einen repräsentativen Querschnitt aus dem Werk Richard Kriesches

Graz - Manchmal schließt sich ein Kreis in einer Arbeit ganz elegant wie von selbst. Manchmal sogar nach fast 50 Jahren. So erinnern etwa jüngste Arbeiten des 1940 geborenen Medienkünstlers Richard Kriesche an ganz frühe, nämlich seine numerischen Systeme.

Steht man heute vor einem QR-Code Kriesches, gibt es zwischen den quadratischen Bildern von damals und heute nicht nur formale Ähnlichkeiten. Kriesche begann bereits sehr früh, sich mit Informationsästhetik zu beschäftigten, in einer Zeit, in der andere nicht einmal wussten, was das ist.

Besagter QR-Code, Cloud II (siehe Foto), entspringt einer Arbeit über die sogenannte Cloud - natürlich einer, die nicht aus Wasserdampf, sondern Daten besteht. Der Text, der sich hinter der Codierung verbirgt, prangt auf einer gleich großen Tafel namens Cloud I gleich daneben: "All melts into a/cloud/trust and god/and/god we trust" steht da zu lesen.

Die "Wolke" steht bei Richard Kriesche für die Auflösung des Realen, für das "Verdampfen" aller Bildwelten, Gültigkeiten und auch Währungen sowie Bindungen. Als letzte aller Währungen bleibt nur das Vertrauen.

Sehen kann man diese Arbeiten - und viele andere aus den Jahrzehnten dazwischen - derzeit in einer retrospektiv angelegten Personale in der Grazer Galerie Zimmermann Kratochwill. Und das ist bemerkenswert. Denn Richard Kriesche in einer Galerie anzutreffen, ist per se ungewöhnlich. Nicht ihn als Person, als Besucher einer Galerie, sondern sein Werk.

Wenn er den menschlichen Körper, die DNA, das Weltall oder auch die Aktienmärkte analysierte und in Hightechbildsprachen übersetzte, so tat er das oft in Interaktion mit seinem Publikum und fast immer in öffentlichen Institutionen, Museen, Unis, Krankenhäusern, auf der Documenta in Kassel oder der Biennale in Venedig - private, kommerzielle Galerien betrachtete er jedoch mit kritischer Distanz.

Das Ergebnis der jetzigen Kooperation ist jedenfalls erfreulich, ist es doch ein Wiedersehen mit einigen seiner wichtigen Projekte - zumindest in Auszügen. So etwa Datenwerk: Mensch, für das genetische Porträts von Wissenschafterinnen und von Kriesche mithilfe von Genfragmenten angefertigt wurden. Immer noch spannend sind auch Arbeiten zur Ästhetik des Kapitals. Neben Screens mit Datenströmen und Börsencharts findet sich eine Arbeit, in der sich Real- und Finanzwirtschaft treffen: Es ist ein zur Stahlskulptur gewordener Datenstrom, der 2009, ein Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise, während der Ausstellung Capital+Code im Kunsthaus Graz aus Daten des Kapitalmarktes generiert wurde. (Colette M. Schmidt, Album, DER STANDARD, 11./12.10.2014)

Bis 31.10., Galerie Zimmermann Kratochwill, Opernring 7, 8010 Graz

  • Quick-Response-Codes transportieren Inhalte, die maschinell schnell gelesen werden können - hier aber in Acryl auf Gold.
    foto: georg weinseiss

    Quick-Response-Codes transportieren Inhalte, die maschinell schnell gelesen werden können - hier aber in Acryl auf Gold.

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