Moldau war, Montenegro ist, Österreich will

10. Oktober 2014, 14:51
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Auf den Arbeitssieg in der Republik Moldau soll am Sonntag (18 Uhr) ein Heimsieg gegen Montenegro folgen. Damit das Team voll in der Spur auf dem Weg zur EM 2016 bleibt. Marc Janko kann vorerst keine Beiträge liefern. Was er zum Kotzen findet

Wien/Chisinau - Es ist mitunter kein Kindergeburtstag, österreichischer Teamchef zu sein. Auf dem Rückflug von Chisinau nach Wien sah sich Marcel Koller auf seinem Laptop das Video vom Spiel gegen die Republik Moldau an. Er brach nicht unbedingt in Begeisterung aus, und es lag sicher nicht daran, dass er im Sitz angeschnallt war. Anderseits war die Wiederholung des 2:1-Sieges immer noch Grund "für eine kleine, kurze Freude. Es ist beruhigend, dass man solche Partien gewinnt. Das ist schon ein Zeichen einer gewissen Qualität."

Da das Danach diesmal direkt in ein Davor mündet, befasste sich Koller lieber mit der Partie am Sonntag im Happel-Stadion gegen Montenegro. Restkarten sind erhältlich. Es wäre auch Zeitverschwendung, den leichten Ballverlusten von Chisinau nachzujammern. Bisweilen funktioniert der Sport ganz einfach. "Drei Punkte sind drei Punkte. Und die waren besonders wichtig."

Der österreichische Fußball ist insofern interessant, als sich die Stimmung sehr rasch drehen kann. Marc Janko hat das festgestellt. Auch am Tag danach war er "sehr frustriert". Es ist ihm übrigens nicht gelungen, richtig zu kotzen. Das hatte er eigentlich nach seinem Ausschluss vorgehabt und angekündigt. Davor hat er den Elfer zum 1:0 rausgeholt ("Das Foul war eigentlich keines") und das Siegtor geköpfelt. In der 82. Minute kam es zur verhängnisvollen Szene, Janko hatte sich von Tormann Ilie Cebanu provozieren lassen, nach einem Schubser zurückgerempelt. "Er hat die Situation besser fertiggespielt, und ich sah die Rote Karte." Es steht zu befürchten, dass Janko auch am 15. November gegen Russland fehlt. Das Ausmaß der Sperre wird vermutlich in der nächsten Woche mitgeteilt, drei Spielen sind das Maximum.

Janko erinnerte sich an einen Platzverweis als Siebenjähriger, jenen in der Regionalliga Ost aus dem Jahre 2004, als er für Admiras Amateure gegen Fortuna stürmte, hat er aus seinem Gedächtnis gestrichen. Chisinau ist präsent. "Ich war in dieser Situation nicht ich selbst, keine Ahnung, warum ich so reagiert habe. Ich will einfach nur kotzen." Seit Monaten oder gar Jahren wird über den 31-Jährigen diskutiert, mitunter behauptet, dass seine Zeit abgelaufen sei. "Es liegt viel Last auf meinen Schultern. Treffe ich, heißt es dann, ohne Janko geht es nicht. In Österreich ändert sich das schnell."

Grundformation bleibt

Koller empfand den Ausschluss als "ärgerlich", schließlich sei Janko eine Konstante, ein Schlüsselspieler. Gegen Montenegro wird das System trotzdem nicht geändert, es bleibt bei einer 4-2-3-1-Grundformation. Als Ersatz kommen Rubin Okotie oder Lukas Hinterseer infrage, der Teamchef wird sich fristgerecht entscheiden. Beide Kandidaten versicherten, "bereit zu sein". Andreas Weimann wurde nachnominiert.

Die Montenegriner haben in Vaduz gegen Liechtenstein nur ein 0:0 erreicht. 28 Mal haben sie aufs Tor geschossen (zweimal an die Stange), aber das ist eine zu vernachlässigende Bilanz. Teamchef Branko Brnovic hatte Stammkräfte geschont, Topstar Mirko Vucinic wurde erst zur zweiten Halbzeit eingetauscht. Koller glaubt nicht an eine montenegrinische Schockstarre. "Die Gruppe ist offen, jeder nimmt jedem Punkte weg. Sie haben vor allem in der Offensive hohe Qualität, Jovetic und Vucinic sind internationale Klasse." Verbandschef ist Dejan Savicevic, der von 1999 bis 2001 Rapid beehrte. Der 48-Jährige erwartet im Happel-Stadion eine "ausgeglichene Partie. Die Chancen stehen 50:50. Beide Teams haben die Qualität, die Schwächen des anderen auszunützen. Ich erwarte in der Anfangsphase großen Druck der Österreicher."

David Alaba möchte Savicevic diesbezüglich nicht enttäuschen. "Wir schauen nur auf uns, sind absolut in der Lage zu gewinnen. Moldau war so wie erwartet. Ein klassischer Arbeitssieg. Wir spielen auch für Janko."

Der wird übrigens erst am Montag nach Australien zurückfliegen. Aus dem Mannschaftshotel ist er ausgezogen. Das Bett gehört Weimann. Das Match wird Janko von der Tribüne aus verfolgen. "Die Rolle des tragischen Helden liegt mir überhaupt nicht. (Christian Hackl, DER STANDARD, 10.10.2014)

Fußball-EM-Qualifikation (Gruppe G, 3. Runde):

Österreich - Montenegro (Sonntag, 18.00 Uhr/live ORF eins, Wien, Ernst-Happel-Stadion, SR Hendrikus Nijhuis/NED)

Österreich: Almer (Hannover 96/GER/17 Länderspiele) - Klein (VfB Stuttgart/GER/22/0 Tore), Dragovic (Dynamo Kiew/UKR/32/0), Hinteregger (RB Salzburg/4/0) oder Prödl (Werder Bremen/GER/46/4), Fuchs (Schalke 04/GER/62/1) - Baumgartlinger (Mainz 05/GER/33/1), Alaba (Bayern München/GER/34/8) - Harnik (VfB Stuttgart/GER/45/10), Junuzovic (Werder Bremen/GER/34/4), Arnautovic (Stoke City/ENG/37/7) - Okotie (1860 München/GER/6/0)

Ersatz: Lindner (Austria Wien/7), Özcan (FC Ingolstadt/GER/2) - Garics (FC Bologna/ITA/40/2), Suttner (Austria Wien/13/0), Wimmer (1. FC Köln/GER/1/0), Ilsanker (RB Salzburg/3/0), Lazaro (RB Salzburg/3/0), Leitgeb (RB Salzburg/40/0), Sabitzer (RB Salzburg/7/2), Hinterseer (FC Ingolstadt/GER/3/0), Weimann (Aston Villa/ENG/12/0)

Es fehlt: Janko (gesperrt)

Fraglich: Hinteregger (Entzündung der Gelenkskapsel im linken Knie)

Montenegro: Poleksic (Pecsi MFC/HUN/29) - Savic (Fiorentina/ITA/27/2), Basa (OSC Lille/FRA/29/2), Tomasevic (Kortrijk/BEL/7/1), Volkov (Partizan Belgrad/13/0) - Beciraj (Changchun Yatai/CHN/28/3), Zverotic (Fulham/49/5), Nikolic (Dinamo Minsk/BLR/6/0), V. Bozovic (Mordowja Saransk/RUS/40/0)- Jovetic (Manchester City/ENG/33/12), Vucinic (Al-Jazira/VAE/39/16)

Ersatz: M. Bozovic (Chimik Dscherschinsk/RUS/36) - Jovanovic (Padideh Khorasan/IRI/36/0), Balic (Metalurg Saporoschje/UKR/7/0), Simic (Kayserispor/TUR/6/0), Pavicevic (Roter Stern Belgrad/SRB/39/0), Vesovic (HNK Rijeka/CRO/5/0), Bakic (Spezia/ITA/4/0), Boljevic (AEK Larnaka/CYP/0), Grbic (Partizan Belgrad/SRB/4/0), Damjanovic (Beijing Guoan/CHN/25/7), Vukcevic (APO Levadiakos/GRE/44/2), Jovovic (Sutjeska Niksic/3/0)

Die weiteren Sonntag-Spiele: Russland - Moldawien (18.00 Uhr), Schweden - Liechtenstein (20.45 Uhr)

  • Stürmer Stevan Jovetic mühte sich in Vaduz gegen Liechtenstein  vergeblich. Dabei ist der 24-Jährige von Manchester City gegenwärtig  Montenegros Gefährlichster.
    foto: apa/epa/ehrenzeller

    Stürmer Stevan Jovetic mühte sich in Vaduz gegen Liechtenstein vergeblich. Dabei ist der 24-Jährige von Manchester City gegenwärtig Montenegros Gefährlichster.

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