Auf der Suche nach Mikrotrends

15. Oktober 2014, 17:00
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An der Schnittstelle von Spitzentechnologie liegen die Wachstumsmärkte der Zukunft, sagt Trendforscher Nils Müller (TrendOne). Im Rahmen des Austrian Innovation Forum in Wien erklärt er seine Sicht der Dinge

"Unsere Philosophie ist: Das Große entsteht im Kleinen", sagt der Trendforscher und Gründer von TrendOne Nils Müller. Der 39-Jährige verteilt 30 fixe Mitarbeiter an drei Standorten und beschäftigt 80 freiberufliche Trendscouts weltweit. TrendOne versteht sich als "Impulsgeber für Innovationen" - so steht es auf der Firmenhomepage, und dafür werden die Trendscouts auch von vornehmlich "großen Unternehmen" beauftragt, so Müller, also häufig, um mögliche Wachstumsmärkte auszukundschaften.

Er und seine Mannschaft sind weltweit auf den Spuren sogenannter Mikrotrends. Müller: "Wir machen 360-Grad-Scouting. Wir scannen nicht nur Medien- oder Technologietrends, wir scannen auch neue Materialien, FMCGs ("fast moving consumer products"), neue Marketingkampagnen oder Produktionstechnologien. Wir scannen wirklich alles, was neu ist." Die Organisation sei sehr breit aufgestellt, durchleuchte 19 Branchen und spreche 22 Sprachen. Die Kernkompetenz von TrendOne sei das Aufspüren von Innovationen und technologischen Entwicklungen. Viel zu tun also.

Signale scannen und ordnen

Monatlich werden 1500 dieser Signale "gescannt", um daraus Muster abzuleiten, also Makrotrends für die Kunden darzustellen. Die drei Ebenen des Wandels erklärt Müller so: "Das kleine Signal ist der Mikrotrend. Wenn eine größere Strömung erkennbar ist, wird diese zu einem Makrotrend, der zu einer ganz großen Strömung werden kann - dem Megatrend. Die neueste Strömung in der Trendforschung sei eine "dataorientierte", erklärt Müller: "Das große Thema ist Big Data - alles wird über Algorithmen gemacht - man screent Blogs oder durchforstet algorithmenbasiert zum Beispiel Patentdatenbanken, um zu sehen, in welche Richtung die neuesten Anmeldungen gehen."

Immer gehe es aber darum, den Wandel über Trends sichtbar zu machen. Und was Müllers Organisation als Impulsgeberin für Innovationen tut, ist, zu beobachten (observe) - "wir schmeißen quasi diese ganzen Inspirationen in einen Trichter" - und im nächsten Schritt dann zu erläutern (understand) bzw. auf das jeweilige Geschäftsmodell zu reflektieren. Danach wird die so entstandene Erkenntnis in das entsprechende Geschäftsmodell umgewandelt (transfer). "Das kann sein, dass damit begonnen wird, Prototypen zu bauen oder dass Start-ups gegründet werden", so Müller. Und weiter: "Wir helfen dabei, Zukunft zu begreifen, zu erleben und zu gestalten."

Von Technologie getrieben

In den meisten Fällen sei die Zukunft "technology-pushed", sagt Müller. Und diese entstehe "an der Konvergenz der Spitzentechnologie", so der Trendforscher weiter. Ähnlich wie bei der Mengenlehre werden Spitzentechnologien - dazu zählen laut Müller Nanotechnologie, Biotech, IT, Robotics oder Space-Tech - übereinandergelegt, um zu sehen, welche Felder sich in den Schnittmengen eröffnen. Müller: "Wenn sie zum Beispiel Nanotech und Robotic übereinanderlegen, dann haben sie plötzlich Nano-Robots und haben so die Möglichkeit, diese in den menschlichen Kreislauf einzuführen und zum Beispiel Medikamente an der richtigen Stelle im Körper zu platzieren."

Jedenfalls seien das Forschungsbereiche, die wenige Menschen auf dem Radar haben, ist Müller überzeugt. Man tausche sich insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung, dort wo wirklich Neues entstehe, zu selten übergreifend aus, sagt er. Allerdings liege genau an diesen Schnittpunkten eine große Chance für Trendforscher, "mögliche Wandlungsphänomene vorzeitig zu erkennen". (DER STANDARD, 11./12.10.2014)

  • Nils Müller ist einer von sieben Keynote-Speakern am Austrian Innovation Forum, am 16. Oktober im Tech Gate Vienna (The Stage).
    foto: ho

    Nils Müller ist einer von sieben Keynote-Speakern am Austrian Innovation Forum, am 16. Oktober im Tech Gate Vienna (The Stage).

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