Management, damit der Karren wieder fährt

13. Oktober 2014, 09:17
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Die Methoden des Industriezeitalters sind für die Zukunftsbewältigung nicht geeignet

Haben wir den Wendepunkt erreicht? Und wohin wird unser Weg führen - in Niedergang oder langfristige Prosperität? Dies sind große Fragen, die beim Drucker Forum 2014 im Zentrum stehen werden. Viele Anzeichen sprechen tatsächlich dafür, dass es mit dem bloßen Fortschreiben von traditionellen Lösungsansätzen nicht mehr weitergehen kann: Wirtschaftliche Stagnation, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, demografische Umschichtungen, Übergewichtigkeit der staatlichen Verwaltung und Regulierungswut, unfinanzierbare Sozialsysteme und eine Vertrauenskrise gegenüber der politischen und wirtschaftlichen Führungselite kennzeichnen die Situation im Westen und vor allem in Europa.

Von Politikern kann man nicht erwarten, dass Sie den Karren aus dem Sumpf ziehen werden - mit leeren Kassen sind große Ausgabenprogramme nicht mehr umsetzbar. Was können Politiker somit tun?

Sie müssten Hindernisse aus dem Weg räumen - um diejenigen zu "befreien", die uns tatsächlich aus der Krise führen können: Unternehmer, Führungskräfte in Institutionen und Organisationen, deren Aufgabe es ist, Wert zu schaffen - sei es als Wirtschaftsunternehmen, als staatlicher oder halbstaatlicher Dienstleister oder als NPO. Wie? Rahmenbedingungen statt Micro-Management. Ein schlankerer Staat muss lernen, was "management by getting out of the way" bedeutet, ohne dabei seine Kernaufgaben aufzugeben.

Zukunftsbewältigung, Werthaltungen

Das erfordert jedoch große Innovationsfähigkeit bei der Politikgestaltung und somit eine Managementrevolution im öffentlichen Sektor.

Auch für Wirtschaftsunternehmen ist es klar, dass die Zukunftsbewältigung nicht mit den Methoden des Industriezeitalters geleistet werden kann. Dass etwa traditionelle Hierarchien auf den Kopf gestellt werden sollten, hat Vineet Nayar, der vormalige CEO von HCL Technologies, vorgezeigt und in seinem bahnbrechenden Werk Employees First - Customers Second beschrieben.

Führungskräfte müssen nicht nur ihr Handwerkszeug beherrschen, wie es Fredmund Malik in seinem auf Peter Drucker aufbauenden Werk Führen, Leisten, Leben zeigt - sie müssen vor allem zu Werthaltungen finden, die den Mitarbeitern den Sinn für die gemeinsame Aufgabe und somit die Grundlage für gelebtes Engagement im Unternehmen vermitteln. Dieser Sinn transzendiert das einzelne Unternehmen und muss letztlich im Nutzen für das Gemeinwesen verankert sein. Dies erfordert ein Neudenken der Managementausbildung, die sich in Silos wachsender Fachspezialisierung zu verlieren droht und den Umgang mit den zwischenmenschlichen Beziehungen vernachlässigt hat.

Adrian Wooldridge hat in einer kürzlich erschienenen Schumpeter-Kolumne des Economist gezeigt, dass humanistische Bildung für Führungskräfte gerade in einer Zeit extremer Technisierung und fachlicher Spezialisierung von großem Wert ist. Der blinde Glaube an Algorithmen und der Verlust des menschlichen Maßes hat uns in der Finanzkrise bereits an den Rand des Abgrundes geführt.

Deutlicher als Peter Drucker kann man es nicht sagen: Von der Kompetenz, Ernsthaftigkeit und Werteorientierung der Manager ist das Gedeihen, die Dynamik und selbst das Überleben einer Gesellschaft abhängig. Manager müssen sich daher der epochalen Herausforderung des großen Wandels stellen. (Richard Straub, DER STANDARD, 11./12.10.2014)

Richard Straub ist Präsident der Drucker Society Europe und Social Entrepreneur. Er war zuvor in Top-Positionen bei IBM.

Link:

www.druckerforum.org

  • Richard Straub.
    foto: ho

    Richard Straub.

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