Der "ITler im stillen Kammerl" stirbt aus

10. Oktober 2014, 17:00
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Besonders an den Schnittstellen zwischen Technik und Vertrieb sind IT-Experten gefragt. Die Herausforderungen sind an Kandidaten und Unternehmen gleichermaßen hoch

De facto werde jede einzelne Branche von IT (Informationstechnologie) gestützt - das sei auch deren große Chance, sagt Conrad Pramböck, Gehaltsexperte bei Pedersen & Partner, denn: "Was früher Papier war, geht heute per Computer", so Pramböck zum Allergrundlegendsten, mit folgender Conclusio: "Ohne IT leben zu wollen ist heute, wie auf dem Mond leben zu wollen - das funkioniert nicht." IT sei also immer gefragt - und so auch ihre Fachkräfte, die wie fast alle Techniker hervorragende Chancen am Arbeitsmarkt haben.

IT-Experten sind in allen möglichen Bereichen gesucht - dazu gehören laut Martin Mayer, dem Managing Director bei Iventa, ganz allgemein Softwareentwickler, Experten in den Bereichen Business-Intelligence oder Analytics, auch im Feld der IT-Security werde laufend gesucht, ebenso wie in den Bereichen Systemintegration, SAP- bzw. IT-Berater ganz allgemein.

Bei den IT-Unternehmen selbst, so Markus Mittermüller, Geschäftsführer von Media4Jobs seien es vor allem Vertriebsstellen, die vakant seien. Sandra Micko, Human-Resources-Director von Microsoft Österreich bestätigt das: Gesucht seien Kombinationen aus technischem Verständnis und Sales-Skills, sagt sie. Und Markus Mittermüller weiter: "Neben den großen IT-Unternehmen sucht aktuell auch der Finanzsektor viele Mitarbeiter für die hauseigenen IT-Abteilungen. Auch stark im Wachstum sind IT-Jobs in der Medizin." Hier sei die Kombination aus technischem und medizinischem Know-how für Bewerberinnen und Bewerber von Vorteil.

Mangel selbstgemacht?

Genau an diesen Schnittstellen trennt sich den Experten zufolge auch der Weizen von der Spreu - eine solide Ausbildung und eine fortlaufende Weiterbildung sind in einem technologiegetriebenen Sektor unbedingt vonnöten. Eine Sache, die in der IT überhaupt unerlässlich sei, sagt Doris Malone, die die Leitung des Personalmanagements bei ACP IT Solutions innehat, sei "die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterbildung. Schließlich wandelt sich kaum eine Branche so schnell wie die Informationstechnologie."

Aber alles mit Augenmaß und entsprechender Kompensation, mahnt Florens Eblinger, Geschäftsführer von Eblinger & Partner. Firmen seien in den letzten zehn Jahren hinsichtlich der Qualifizierung ihrer zukünftigen Mitarbeiter deutlich anspruchsvoller geworden, sagt er. "IT-Projektmanager und selbst Software-Entwickler dürften demnach auch gerne eine wirtschaftliche Ausbildung mitbringen und selbstverständlich nicht zu teuer sein. Ein gewisser Teil des IT-Fachkräftemangels ist vermutlich schon hausgemacht, wenn man die Anforderungen permanent nach oben schraubt und selbst nicht mehr willig ist, selbst aus- und weiterzubilden", so Eblinger kritisch.

An der Grundausbildung, also am Basiswissen, das man an Universitäten oder Fachhochschulen erwirbt, gibt es kaum Kritik, eher im Gegenteil. "Qualitativ sind wir in Österreich sicherlich auf einem sehr hohen Ausbildungsniveau", sagt Markus Mittermüller. Ausbildungsbedarf sehe er im Finanz- und im medizinischen Bereich, zunehmend auch in Transport und Logistik sowie Energie. Auch der öffentliche Sektor werde für IT-Experten in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen, ist Mittermüller sicher.

Expertise schaffen

An der Weiterbildung in den Unternehmen hapert es. Martin Mayer dazu: "Die konkrete, spezifische Ausbildung sollte dann on the Job in den Unternehmen passieren." Nicht zuletzt hat das Training on the Job inklusive permanenter Weiterbildung Einfluss auf die individuelle Gehaltsentwicklung - "einen extrem großen", sagt Conrad Pramböck. Seine Tipps für mehr Gehalt in der Branche: Man sollte etwas vom Projektgeschäft verstehen, die Bedürfnisse des Marktes möglichst vorzeitig erkennen und auf diese eingehen, das fachliche Wissen stets auf dem Laufenden halten und denken wie ein Dienstleister - also nicht nur gut mit dem Computer, sondern auch mit Menschen umgehen können.

Unternehmen sollten dabei ihre IT-Experten tunlichst bei deren Weiterentwicklung unterstützen, sagt Florens Eblinger. Es werde zu wenig in die Weiterbildung und Entwicklung der IT-Abteilungen großer Unternehmen investiert, sagt er. Oft werde das "enge Korsett eines Konzerns - auch wenn der Arbeitsplatz als sicher gilt - nicht als attraktiv wahrgenommen." Besonders die jungen, "hungrigen Entwickler" "suchen ihren Weg bei den dynamischen Start-up-Unternehmen, die ihnen Freiräume und Perspektiven anbieten.

Die Schlagworte der jungen IT-Fachkräfte lauten: herausfordernd, erfüllend, flexibel und nachhaltig." Microsoft Österreich scheint darauf zu reagieren. Sandra Micko: "Bei Microsoft galt früher das Motto, nur die erfahrensten Mitarbeiter einzustellen. Heute wird die Hälfte der offenen Posten mit Young Professionals besetzt." (DER STANDARD, 11./12.10.2014)

  • Die Halbwertszeit von IT-Expertise ist extrem kurz.
    foto: www.istockphoto.com/adolf34

    Die Halbwertszeit von IT-Expertise ist extrem kurz.

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