Wieso Eishockey in Kärnten auch nicht mehr das ist

9. Oktober 2014, 18:25
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Der KAC auf Rang neun, Villach auf Rang elf. Das Kärntner Eishockey hat schon bessere Zeiten erlebt. Das eine oder andere Problem sollte sich beheben lassen, das größte bleibt da wie dort. Die Infrastruktur passt nicht

Klagenfurt/Villach - In Kärnten herrscht Krise, und zwar gleich doppelt. Der KAC hat nur zwei von sieben, der Villacher SV nur zwei von acht Spielen gewonnen. Resultat sind die Ränge neun und elf, so schlecht stand das Kärntner Eishockey schon lange nicht da. Und zu allem Überdruss müssen die Fans in den früheren Hochburgen zusehen, wie Salzburger und Wiener auch international reüssieren, das hebt die Laune nicht wirklich. 13:24 lautet das Torverhältnis beim KAC, 19:22 jenes beim VSV. Die Klagenfurter, die kürzlich den Kanadier Doug Mason als neuen Coach präsentierten, haben heute, Freitag, die Vienna Capitals zu Gast, Villach empfängt Ljubljana.

Beim KAC war der Tscheche Martin Stloukal nur vier Spiele lang an der Bande gestanden, ein 0:9 daheim bedeutete seinen Abschied. Ex-NHL-Spieler Thomas Pöck will über Stloukal nicht viele Worte verlieren, elf Worte sind es dann doch: "Jetzt kommen wieder alle mit viel Freude und Motivation zum Training." Unter Mason, davon ist Pöck überzeugt, werde sich die Mannschaft anders präsentieren. "Und wir werden unter die ersten sechs kommen und im Playoff mitmischen." Der letzte von dreißig KAC-Meistertiteln wurde 2013 gefeiert, liegt nicht so weit zurück, wie man meinen möchte. Allerdings haben die Klagenfurter im Winter 2013/14 das Playoff verpasst.

Keine Scorer, keine Siege

Der VSV wiederum, der zuletzt als Halbfinalist aufgezeigt hat, begibt sich derzeit nicht auf Trainer-, sondern auf Spielersuche. Die Abgänge der drei Topscorer Derek Ryan, John Hughes und Curtis Fraser konnten nicht annähernd kompensiert werden, nun werden die Stürmer Jason Krog und Darren Haydar getestet. VSV-Kapitän Gerhard Unterluggauer ist überzeugt: "Die helfen uns." Unterluggauer betont einen Unterschied zum KAC, der von Mäzenin Heidi Horten unterstützt wird: "In Villach muss jeder Euro zweimal umgedreht werden."

Auch beim VSV soll bald wieder Ruhe einkehren, Erfolge sind die Bedingung dafür. Um die Fans zu beruhigen, hat der Verein auf seiner Homepage festgehalten: "Der VSV steht momentan am Tabellenende, und das gefällt niemandem, weder den Fans noch dem Vorstand oder der Mannschaft. Der VSV hat eine Mannschaft mit qualitativ guten Spielern, das haben sie in der Vergangenheit bewiesen. Auch wenn viele es nicht glauben wollen: Es fehlt wahrscheinlich nicht viel. Ein 'Slump', ein Durchhänger, zieht immer alle Spieler mit, jeder spielt unter seinem Niveau."

Keine Halle, keine Hoffnung

Ein Problem gibt es, das Klagenfurt und Villach verbindet. Die Stadthalle Klagenfurt ist Baujahr 1959, die Stadthalle Villach Baujahr 1969. Der KAC verfügt immerhin über eine zweite Eisfläche, das hilft den zehn Nachwuchsteams mit 280 Jugendlichen im Training, beim VSV müssen sich die Erste und neun Nachwuchsteams (250 Jugendliche) die eine Fläche teilen. Vor kurzem richteten Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider (FPÖ) und sein Villacher Kollege Helmut Manzenreiter (SPÖ) einen schon recht verzweifelten Appell an das Land, es möge doch möglichst rasch Geld für den Umbau der Eishallen lockermachen. KAC-Crack Pöck sagt: "Politik und Wirtschaft müssen uns helfen." Doch der Wirtschaft geht es, wie es der Wirtschaft geht, und die Kärntner Politik bangt sozusagen schon den Kommunalwahlen 2015 entgegen.

"Ich hab nicht genug Geld", sagt Pöck. "Hätte ich es, ich würde sofort eine neue Halle bauen." VSV-Kollege Unterluggauer pflichtet bei: "Auch die Fans gehen natürlich lieber in eine schöne, moderne Halle." Und sozusagen einträchtig schielen die zwei Verteidiger hinüber zum Wörthersee-Stadion, das für drei Spiele der Fußball-EM 2008 errichtet wurde, was mehr als 65 Millionen Euro gekostet hat. "Irrsinn", sagt Pöck. "Damit wären sich zwei Super-Eishallen ausgegangen." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 10.10.2014)


  • Das waren Zeiten. 2013 feierte der KAC mit Jamie Lundmark den letzten seiner 30 Meistertitel.
    apa/eggenberger

    Das waren Zeiten. 2013 feierte der KAC mit Jamie Lundmark den letzten seiner 30 Meistertitel.

  • 2006 hatten Gert Prohaska und der VSV den sechsten und bis dato letzten Villacher Erfolg bejubelt.
    apa/eggenberger

    2006 hatten Gert Prohaska und der VSV den sechsten und bis dato letzten Villacher Erfolg bejubelt.

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