Stofftier im Handgepäck

9. Oktober 2014, 18:09
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Gespenstischer Folk als blasses Klischee. Marissa Nadler gastiert am Montag in der Wiener Arena. Schade, dass noch nicht November ist.

Wien – Verletzliche Damen in halbverfallenen Holzhütten haben immer Saison. Meist tragen sie langes Haar und schmollen ein wenig. Ihren Teint würde niemand als gesund einschätzen, die Gedanken hinter der Stirn legen diese vorne zart in Falten: Die Liebe, das Leben, ach.

Marissa Nadler ist so ein Wesen. Schröcklich sensibel, wahrscheinlich Tagebuchschreiberin (natürlich auf Papier) und eventuell ein Stofftier im Handgepäck. Sicher ist sicher. Denn die Welt ist kalt und meistens gar nicht schön. Derlei Klischees überträgt sie in ein Musikalisches: in einen verwehten Folk, introvertiert natürlich. Die Grundstimmung ist frei von Freude, der Blick gesenkt, weil man muss ja auf die Saiten schauen, die man im Zeitlupentempo zupft. Shoegazer Hardcore.

Marissa Nadler bringt diese ihre Kunst kommenden Montag in die Wiener Arena. Schade, dass noch nicht November ist. So eine Musik ist das nämlich. Schön traurig, ein bisserl fad, weil die 33-jährige US-Amerikanerin durch ihre Songs schlurft wie andere Nachtwandeln.

Aufgetaucht ist Nadler Mitte der Nullerjahre, als diverse neu etikettierte Folk-Mutationen durch die Fachgazetten gereicht wurden, das meiste davon ist heute glücklich vergessen, Nadler ist geblieben. Warum sie, weiß man nicht, nennen wir es ein Phänomen.

Vorstellen wird sie ihr aktuelles Album July. Die Musik darauf neigt sich von atmosphärisch nach narkotisch. Mehr gibt es nicht zu sagen. (Karl Fluch, DER STANDARD, 10.10.2014)

13. 10. Arena Wien, Baumgasse 80. 20.00

  • Das Leben, die Liebe, ach. Marissa Nadler.
    foto: arena

    Das Leben, die Liebe, ach. Marissa Nadler.

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